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de05.04.2018 Mal eben rumgeknallt

NORDSTADT Privates Feuerwerk am Ostersamstag sorgt für Ärger

HEPPENHEIM - Es war schon ein ziemlicher Schreck in der Abendstunde, der die Bewohner der Nordstadt am Ostersamstag ereilte: Gegen 21.45 Uhr setzte ein Feuerwerk ein wie man es sonst nur an Silvester erlebt. Mehrere Minuten lang stieg Rakete um Rakete in den Himmel am nördlichen Rand des Stadtteils, das Rauschen und Knallen war weithin zu hören, so mancher Anwohner schaute irritiert in den Himmel und versuchte, den Ausgangsort des Spektakels zu orten.

Für Verunsicherung bei manchem dürfte auch gesorgt haben, dass nur etwa eine halbe Stunde zuvor Sirenenalarm ausgelöst worden war: Rauchentwicklung im Kreiskrankenhaus hatte für einen, zum Glück ohne größeren Schaden ausgegangenen Großeinsatz der Heppenheimer Feuerwehr gesorgt (wir haben berichtet).

Kurtjürgen Petermann, Anwohner des Rieslingswegs, gehörte zu denen, deren bis dahin gemütlicher Ostersamstagabend empfindlich gestört wurde. Er wandte sich deshalb an das ECHO und machte seinem Ärger über das Verhalten der Feuerwerker Luft. Denn zwar habe er „nichts dagegen, wenn Menschen ihrer Freude Ausdruck verleihen.“ Aber: „Alles muss auch im Rahmen bleiben.“

Ein Geburtstag oder ein anderes privates Ereignis sei jedenfalls kein Grund, „unangekündigt mit einem Feuerwerk wie zu Silvester gefeiert zu werden.“ Während man sich wegen der vielen traumatisierten Flüchtlingskinder in Schulen inzwischen Gedanken mache, auf Feueralarm mit Sireneneinsatz zu verzichten, blieben derlei Auswüchse meist ohne Sanktionen.


„In unserer Gesellschaft leben immer noch (zum Glück) Menschen, die den Schrecken des Zweiten Weltkrieges miterleben mussten“, so Petermann, dessen im gleichen Haus lebende Schwiegermutter zu dieser Generation gehört. Allein aus dieser Sicht dürften und müssten solche Veranstaltungen verboten und sanktioniert werden. „Ich fühle mich als Bürger unserer Stadt in meiner Sicherheit bedroht, wenn solche Auswüchse ohne jede Reaktion bleiben.“

Was nicht so sein müsste. Thomas Ehret, Leiter des Ordnungsamts der Stadt, würde jedenfalls gerne reagieren – wenn ihm eine diesbezügliche Anzeige vorliegen würde. Was bei der Ostersamstagsknallerei jedoch (bislang) nicht der Fall ist. Ehret: „Das war eindeutig illegal, was hier abgelaufen ist.“

Denn eine Anmeldung für die Knallerei habe dem Ordnungsamt nicht vorgelegen – wäre aber ohnehin auf keinen Fall erteilt worden. Denn es gibt strenge Regeln, die den privaten Gebrauch von Raketen und Böllern auf den Jahreswechsel beschränken. Was für jeden Einzelnen schon daran erkennbar ist, dass es strenge Verkaufsregeln rund um Silvester gibt.

Dass ein strenges Auge auf private Feuerwerker geworfen wird, hat keineswegs nur mit dem Krach zu tun. Obwohl der schon schlimm genug ist und gerade in der jetzigen Jahreszeit, in der die Tiere für Nachwuchs sorgen, vermieden werden sollte. Schlimmer sind mitunter die Folgen, wenn eine der Raketen oder ein Böller auf Nachbarbalkonen, -dächern oder -schuppen landet und auf leicht entzündliche Gegenstände trifft. Die meisten Feuerwehreinsätze werden in der Regel um Silvester gezählt.

Ganz ohne Feuerwerk müssen die Menschen außerhalb des Jahreswechsels trotzdem nicht auskommen. Beispiele sind die prachtvollen Veranstaltungen der Städte reihum, die ihre großen Feste meist mit einem „Brillantfeuerwerk“ krönen. Die aber sind natürlich offiziell in den Rathäusern angemeldet und werden von gewerblichen Feuerwerkern gestaltet und überwacht. Den gleichen Weg müssten auch Privatleute gehen – wenn sie denn einen Grund aufführen könnten, der eine Genehmigung rechtfertigen würde. Was aber, siehe oben, wenig wahrscheinlich sein dürfte.

Was passiert, wenn man ungenehmigt rumballert und dann nicht nur erwischt, sondern auch angezeigt wird, darüber könnte ein frischgebackener 18-Jähriger Auskunft geben, der sein Erwachsenwerden wohl der ganzen Welt kundtun wollte. Gut möglich, dass das zum Geburtstag spendierte Geld für die demnächst fällige Strafe draufgeht.

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