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de17.11.2018 Silvester-Feuerwerk stresst Tiere

Bei vielen Tieren lösen Lärm, Lichteffekte und Gerüche erheblichen Stress aus. Ein Feuerwerk wird als potentielle Gefahr wahrgenommen, die Tiere sind verwirrt, reagieren panisch, manche bekommen Todesangst.

Wildtiere reagieren besonders empfindlich, denn in der Natur müssen sie ihr Überleben durch Achtsamkeit, Flucht oder Verteidigung sichern. Gerade im Winter müssen unsere heimischen Wildtiere gut mit ihren Kräften haushalten, da sie nur begrenzte Energie- und Nahrungsreserven zur Verfügung haben.

Hoher Energieverlust durch Störungen oder panisches Flüchten kann lebensbedrohliche Folgen haben. "Insbesondere für Vögel wird der Silvesterhimmel in den Städten zum Inferno", sagt Dörte Röhl, Tierärztin und Fachreferentin bei PETA Deutschland. Unter Schock flüchten die Tiere in für sie teilweise ungewöhnliche Höhen.
Rauchschwaden und die hellen Leuchtraketen könnten zu Desorientierung bei den Vögeln führen, ihnen die Sicht nehmen und sie blenden, sodass sie Hindernissen nicht mehr rechtzeitig ausweichen können.

Nach dem Bundesnaturschutzgesetz ist es verboten, europäische Vogelarten während der Fortpflanzung, Aufzucht, Mauser oder Überwinterung zu stören. Ein Feuerwerk kann einen Verstoß gegen dieses Gesetz bedeuten. "Wir möchten dafür sensibilisieren, dass ein Feuerwerk negative Auswirkungen auf die Vogelwelt haben kann", appelliert Ute Kühler, Vorsitzende der NABU-Ortsgruppe Recklinghausen.

Auch im Wasser lebende Tiere sind in Gefahr. So starb 2015 in der Silvesternacht ein Biber in Brandenburg, als Kinder Böller in seinen Teich warfen. Bei dem sechs Monate alten Biber-Mädchen wurden die Trommelfelle zerstört. Dies ergab die Obduktion am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Das Jungtier bekam einen Schock und ertrank.

Die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" mahnt deshalb: "Feuerwerke an Waldrändern, -lichtungen oder in Parkanlagen sind absolut tabu!"

Auch Haustieren macht die Silvesterknallerei zu schaffen. Besonders Hunde leiden auf Grund ihres im Vergleich zum Menschen um ein Vielfaches sensibleren Gehörs unter den lauten Böllern.PETA rät: Hunde und Katzen sollten den Silvesterabend am besten sicher im Haus verbringen. Umzäunte Gärten sind an Silvester nicht sicher: Zu Tode erschreckte Tiere finden auf ihrer Flucht fast immer einen Ausweg.

Und auch für die vielen Tiere in Zoos und Tierparks bedeutet die Silvesternacht großen Stress. Der Krefelder Zoo liegt zentral in der Stadt, also mitten in der Böller-Zone. "Viel können wir eh nicht machen. Die Mitarbeiter, die auf dem Zoo-Gelände wohnen, schauen in der Nacht nach den Tieren", sagt Zoo-Sprecherin Petra Schwinn.

Viele Tiere wie Flamingos sind in ihren überdachten Winterquartieren. "Die fühlen sich dort sicher. Am sensibelsten ist unser Massa, unser Gorilla. Er ist aber auch schon sehr alt. Massa hat nach Silvester immer Durchfall", erzählt Zoo-Sprecherin Schwinn. Sein kleiner Kollege, Orang-Utan-Baby Hujan, wird in diesem Jahr sein erstes Feuerwerk erleben. Er könnte wahrscheinlich gut darauf verzichten.

Tierschützer freuen sich über jede nichtgezündete Rakete, Naturschützer warnen vor dem Müll und der Feinstaubbelastung, Ärzte vor Verletzunggefahren.


Susanne Schnabel
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