Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de02.01.2019 Giftiges Feuerwerk: Wie hoch die Werte wirklich anstiegen

Vor dem Jahreswechsel entbrannte eine Debatte über die Feinstaubbelastung durch Böller und Raketen. Nun sind die Rauchschwaden abgezogen. Was bleibt, sind zahlreiche Grenzwertüberschreitungen

Experten des Umweltbundesamtes (UBA) warnten schon vorab: Die Pyrotechnik ist nicht nur durch ihre Sprengkraft gefährlich – jedes Jahr gibt es Tausende Verletzte in der Silvesternacht –, sie setzt auch so viel gesundheitsschädlichen Feinstaub frei wie kein anderes Ereignis im Jahr: rund 4500 Tonnen. Das entspricht mehr als 15 Prozent der jährlichen Emissionen aus dem gesamten Verkehr in Deutschland.

Tatsächlich dürfte die Zahl noch erheblich größer sein. Denn dem Wert liegen nur die offiziellen Verkaufszahlen zugrunde. Und laut UBA gelangen Feuerwerkskörper „in größerem Umfang“ auch auf illegalen Wegen nach Deutschland.

Betroffen sind vor allem Großstädte und Ballungsgebiete. Hier werden in der Stunde nach Mitternacht, wenn die Knallerei ihren Höhepunkt erreicht, nicht selten Werte über 1000 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft erreicht. Zum Vergleich: Der Jahresmittelwert lag 2016 bei innerstädtischen Messstationen bei 17 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Höchster Wert in Berlin gemessen

Der höchste Wert des Jahreswechsels wurde nach UBA-Angaben in Berlin erreicht. An der Frankfurter Allee atmeten Passanten demnach um ein Uhr morgens 853 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter ein. Auf Platz zwei und drei landeten Reutlingen (Baden-Württemberg, 805 Mikrogramm pro Kubikmeter) und Leipzig (781 Mikrogramm pro Kubikmeter). Auch in weiteren Städten, darunter Darmstadt, Trier, Stuttgart, Frankfurt und Offenbach, wurden Silvester-Feinstaub-Spitzenwerte gemessen. An insgesamt 18 Messstationen wurde dadurch der zulässige Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten. Und das darf laut EU-Richtlinie nur an 35 Tagen im Jahr passieren.

Günstig wirkten sich in diesem Jahr die Witterungsverhältnisse aus, sagt UBA-Meteorologin Ute Dauert: „Lebhafter Wind sorgte vielerorts dafür, dass sich der Feinstaub zügig verteilte, stellenweise kam noch Regen hinzu, der die Feinstaub-Partikel auswusch.“

Was Feinstaub so gefährlich macht

Ziehende Rauchwolken und beißender Geruch sind kein harmloser Nebeneffekt des Silvesterzaubers. Denn der Feinstaub, der in der Diskussion um Dieselfahrzeuge traurige Berühmtheit erlangte, ist gesundheitsschädlich. Die unsichtbaren Partikel mit einer Größe von zehn Mikrometern und weniger dringen mühelos in Lunge und Bronchien ein; die kleinsten von ihnen können über die Lungenbläschen sogar in den Blutkreislauf gelangen.

Feinstaub wird unter anderem mit Atemwegserkrankungen wie Reizungen der Schleimhäute und Entzündungen der Luftröhre und der Bronchien, aber auch mit Störungen des Herz-Kreislaufsystems in Verbindung gebracht.


Zwischen 100 und 200 Millionen Euro, so schätzen Experten, gaben die Deutschen auch in diesem Jahr wieder für die Ballerei aus – im vergangenen Jahr waren es 137 Millionen. Die Deutsche Umwelthilfe fordert nicht nur wegen der Feinstaubbelastung, sondern auch wegen der Verletzungsgefahr und der Lärmbelastung ein Böller-Verbot für Innenstädte. Stattdessen sollen nach dem Willen der DUH in besonders belasteten Städten an zentralen Orten professionelle Feuerwerke für die Allgemeinheit abgebrannt werden.

So weit wie Dänemark will die DUH mit ihrer Forderung aber nicht gehen. Bei unseren nördlichen Nachbarn sind Silvesterknaller komplett verboten.

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