Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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at09.06.2012 Offener Brief an das Kindberger Stadtamt

Betreff: Das geplante Riesenfeuerwerk zum Stadtfest und die Kindberger Störche

Als Mitarbeiterin des Projektes „Weißstorch in der Steiermark“ von Helmut Haar, BirdLife und Land Steiermark ersuche ich Sie höflich, mit Ihrem Gemeinderat das geplante Riesenfeuerwerk anlässlich des Kindberger Kirtags 2012 nochmals zu überdenken.

Die Fakten: Zwei Weißstörche haben im Vorjahr auf dem Kamin des Hauses Damenmoden Schöffmann einen kleinen Horst errichtet. Herr Schöffmann, der angeblich die Funktion des Fremdenverkehrsobmanns(!) inne hat, entfernte dann im Spätherbst nach Abzug der Weißstörche den Horst. Dieselben Störche wollten sich heuer wieder auf dem Schöffmann-Haus ansiedeln, sie legten dort wieder Zweige ab. Familie Ingrid und Hannes Wurzinger bot ihnen einen Horst auf ihrem eigenen Haus Hauptstraße 29 an, wo dieselben Störche heuer erstmals auch brüteten. Durch das Abschießen von Böllern anlässlich der Fronleichnamsprozession verließen diese Störche in Panik ihren Horst und ihre Brut, wodurch die Brut des Jahres 2012 vernichtet wurde. Die Störche kehrten erst bei Anbruch der Nacht zu ihrem Horst zurück. In dieser Angelegenheit wurde der Kontakt mit dem Pfarrer von Kindberg am 8. Juni hergestellt.

Nun droht den Kindberger Störchen mit dem geplanten Riesenfeuerwerk die nächste Katastrophe: Frau Ingrid Wurzinger kontaktierte Sie, Herr Bürgermeister, am 8. Juni telefonisch und bat um einen Termin. Sie erzählte mir, dass Sie ihr einen Termin verweigert haben und dass Sie sinngemäß sagten, das Riesenfeuerwerk habe jahrzehntelange Tradition und Sie haben auch andere (z.B. wirtschaftliche) Interessen zu vertreten. Ich verstehe, dass Sie wirtschaftliche Interessen zu vertreten haben, ein Riesenfeuerwerk ist aber aus heutiger Sicht nicht mehr vertretbar: Feinstaubbelastung, Umweltschutz und Tierschutz nehmen heute einen besonderen Stellenwert ein.

Mit dem Ansiedeln der durch die EU streng geschützten Weißstörche in Kindberg haben sich die Voraussetzungen für ein solches „Riesenfeuerwerk“ geändert. Durch die EU-Vogelschutzrichtlinie genießen Störche einen besonderen Schutz, der auch von der FA13c, der Naturschutzbehörde des Landes Steiermark, überwacht wird.

Ich verweise außerdem auf das neue Pyrotechnikgesetz § 38 Abs.2 PyroTG, worin ausdrücklich eine Regelung aufgenommen ist, die den Schutz von Tieren vor Beeinträchtigungen durch unzumutbare Lärmbelästigung abstellt. Der besonders geschützte Weißstorch fällt in diese Kategorie. Ebenso verweise ich auf § 34 PyroTG. Die aktuelle Stellungnahme des Innenministeriums füge ich im Anhang bei.

Als Storchenbetreuerin habe ich die Pflicht, die Naturschutzabteilung des Landes Steiermark und Herrn Landesrat Dr. Kurzmann von den aktuellen Ereignissen in Kindberg zu informieren.

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Gemeinderäte und Gemeinderätinnen, ich ersuche Sie, das geplante Riesenfeuerwerk abzusagen.

Mit freundlichen Grüßen
Josefine Mühlbacher

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