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deDie Angst vor Silvester

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Feuerwerk Manche Tiere reagieren äußerst sensibel auf die Knallerei in der Silvesternacht. Vor allem Hunde haben damit Probleme - aber auch Gorilla Fritz im Nürnberger Tiergarten.

Bianka, Lena und Hakuna Matata nehmen es zunächst gelassen. Die drei Gorilla-Weibchen im Nürnberger Tiergarten können mit dem Krach und der Knallerei besser umgehen als der Herr im Affenhaus.

Der alte Fritz hat Angst

Das Spektakel in der Silvesternacht macht dem 48-jährigen Gorilla seit Jahren zu schaffen. "Wenn der Chef unruhig ist, werden die anderen auch nervös", berichtet Tierpflegerin Constanze Zieger. Seit einigen Tagen erhält Fritz von ihr deshalb einen Beruhigungstee. "Ganz normalen Tee mit Baldrian und Melisse", sagt Zieger. Mit einer anderthalb Literflasche steht sie am Gitter des Affenhauses. Fritz kommt sofort herbei, öffnet den Mund und lässt sich die Flüssigkeit einflößen.

Rund 2500 Tiere leben im Tiergarten der Stadt Nürnberg. Probleme mit Raketen und Böllern habe aber nur das Gorilla-Männchen, berichtet Helmut Mägdefrau, der stellvertretende Tiergarten-Direktor.

Seit 1970 beeindruckt Fritz die Besucher in Nürnberg. Der rund 195 Kilo schwere Menschenaffe stammt aus Kamerun. Vor Nürnberg hielt man ihn im Münchner Tierpark Hellabrunn. "48 Jahre - das ist schon sehr alt für einen Gorilla", sagt Mägdefrau. "In der Wildnis wäre er schon lange tot."

Gorillas sind Blätterfresser. Die sanften Riesen haben keine natürlichen Feinde - außer die Menschen. Deren Silvester-Gebaren sorgte bei Fritz regelmäßig für Durchfall am Neujahrsmorgen. Seit er Beruhigungstee bekommt, hat er zumindest keine Magen-Darm-Probleme mehr.

Auf der Suche nach einem Beruhigungsmittel für ihr Haustier kommen vor Silvester auch viele Besitzer in die Praxis von Barbara Rakow, Tierärztin und Homöopathin in Zeil am Main (Landkreis Haßberge).

"Meistens haben Hunde Probleme, manchmal auch Katzen, andere Tiere weniger", sagt Rakow. Ein allgemein wirkendes Mittel gebe es nicht. Die Symptome seien unterschiedlich. Das eine Tier zittere, ein anderes verkrieche sich, ein drittes laufe wild hin und her. Je nach Symptom werde unterschiedliche - zumeist homöopathische - Arznei verabreicht, in Form von Globuli, Tropfen oder Tabletten. Laut Rakow müsse die Medizin aber vorher einige Tage lang genommen werden.

<2>Versteckmöglichkeiten wichtigSowohl der Lärm als auch die Lichteffekte an Silvester sind vor allem für Hunde ein Problem. Das liegt an deren empfindlichen Gehör. "Sie hören den Krach um ein Vielfaches lauter als der Mensch", sagt Lisa Plunkett, stellvertretende Leiterin im Tierheim Bamberg. Die Hunde-Expertin rät, mit dem Tier am Silvesterabend nicht ins Freie zu gehen und den Vierbeiner auch nicht auf Partys mitzunehmen.

Immer wieder kämen am Neujahrstag aufgegriffene herrenlose Hunde ins Tierheim, die aus Angst vor der Knallerei zuhause ausgerissen seien.

So sensibel wie die Hunde könnten aber auch Katzen reagieren, berichtet Plunketts Kollegin Stefanie Kraus. Wichtig sei es für diese, dass es passende Möglichkeiten gebe, sich zu verstecken. "Meine Katze springt an Silvester auf den Schrank, wo sie sonst nie hingeht", erzählt Kraus.

Im Bamberger Tierheim selbst wird um Mitternacht niemand anwesend sein. Die Tiere dort bekommen von Böllern und Lichtblitzen sowieso so gut wie nichts mit. "Wir sind ziemlich abgelegen", sagt Plunkett.

Ähnlich geht es auch den Tieren im Kulmbacher Tierheim. Dieses liegt weit außerhalb der Stadt mitten im Wald. Tierheimleiterin Susanne Schilling wohnt hier. "Vom Schießen bekommen die Tiere nur wenig mit. Es ist so, als ob von der Ferne ein Gewitter zu hören ist", berichtet sie. Vorsichtshalber verschließt sie aber an diesem Tag bei den Hunden die Tür zum Außengehege.
Anders als bei den Nürnberger Gorillas müssen bei Tieren in fränkischen Wildparks für Silvester keinerlei Vorkehrungen getroffen werden. "Da hatten wir aufgrund unserer abgelegenen Lage noch nie Probleme", berichtet Frank Wehner, Tierpfleger im Tierpark Klaushof in der Nähe von Bad Kissingen. Die 250 Tiere dort haben auf dem 30 Hektar großen Areal genug Möglichkeiten, sich bei Unruhe ein ruhigeres Plätzchen zu suchen. Ausreichend Rückzugsmöglichkeiten für Wolf, Luchs, Wildkatze oder Elch gibt es auch im Wildpark Schloss Tambach (Landkreis Coburg). "Ich habe an Silvester Dienst - wie im vergangenen Jahr", erzählt Tierpflegerin Diana Welk. Abends ist sie dann bei ihren beiden Hunden. Beruhigen muss sie diese nicht. "Die schlafen, wenn es knallt", sagt Welk. Alles eine Sache der Gewohnheit. Von klein auf hatte sie die Hunde zum Schießstand mitgenommen.

Tipps für Haustierbesitzer an Silvester

Hunde und Katzen sollten in der Silvesternacht nicht nach draußen gelassen werden. Ideal für sie ist ein möglichst ruhiges Zimmer, wo sie sich wohl fühlen.

Nicht trösten

Wenn die Knallerei beginnt, ist es wichtig, dass der Besitzer Ruhe bewahrt. Das rät Tierärztin Barbara Rakow aus Zeil am Main. Es bringe nichts, dauernd auf den Hund einzureden. Die stellvertretende Leiterin des Bamberger Tierheims, Lisa Plunkett, bestätigt dies. "Nicht zu viel Mitleid mit dem Hund haben, sonst denkt dieser, das Herrchen oder Frauchen habe selbst Angst", empfiehlt sie. Ebenso sollte man niemals versuchen, dem Hund die Ohren zuzuhalten.

Abdunkeln

Auch Katzen, Vögel und Meerschweinchen reagieren auf Lichtblitze und Böller sensibel. Katzen suchen sich in der Regel selbst ein Versteck, Vogelkäfige sollten abgedeckt werden. Der Käfig wird am besten in einem abgedunkelten Raum untergebracht, der nicht direkt zur Straßenseite liegt. Geschlossene Fenster und zugezogene Vorhänge helfen, Vögel vor dem flackernden Licht der Raketen und dem Lärm auf der Straße zu schützen. Außerdem kann klassische Musik hilfreich sein: Leise abgespielt, kann sie die Vögel beruhigen, wenn zum Beispiel schon am Nachmittag Knaller gezündet werden.

In der Nähe sein

Wer sein Tier in den lärm- und lichtgeschützten Keller sperrt, sollte von Zeit zu Zeit sicherstellen, dass es dem Tier im Keller auch gut geht. Die Bezugsperson des Tieres sollte nach Möglichkeit immer in der Nähe sein. Ganz schlecht ist es, wenn das Tier Angst oder Panik hat und der Halter es gar nicht mitbekommt.


Matthias Litzlfelder
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