Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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at30.12.2010 25 Millionen Euro gehen in Rauch auf

Geld brennt Geld brennt

Die Produktion von Raketen ist fest in chinesischer Hand - Doch auch ein Kärntner Werk sieht sich gut im Geschäft
Hans Liebenwein lässt sich sein Feuerwerk von den Chinesen nicht nehmen: In ein paar Jahren fertige er in Kärnten Raketen zum gleichen Preis wie die Asiaten. Er habe es immer schon gewusst, auf Dauer könnten diese die Billigproduktion nicht durchziehen. Allein schon wegen der höheren Sicherheitstandards. Fabriksarbeiter seien nicht mehr bereit, für Hungerlöhne zu arbeiten, und suchten lieber Jobs in ungefährlicheren Branchen. Chemikalien würden strenger kontrolliert, der Transport verteuere sich. Und das alles lasse die Preise bereits im kommenden Jahr um 25 bis 30 Prozent explodieren. Was die Europäer freut. Mit ihrem eigenen Feuerregen sind sie dann nämlich wettbewerbsfähiger.
Liebenwein ist Raketenhersteller in dritter Generation und mittlerweile Österreichs einziger. Vor 119 Jahren schoss sein Großvater in der Steiermark das erste öffentliche Feuerwerk, erinnert sich der gelernte Kaufmann. Er selbst produziert mit seinen 30 Mitarbeitern übers gesamte Jahr, fast alles für Silvester. In Meiselding hat er eine neue Fabrik gebaut, die er laufend erweitert. Partner ist die deutsche Weco, mit gut 110 Millionen Euro Umsatz der Platzhirsch auf dem europäischen Knallermarkt.
Von einer Krise sei keine Spur. So viel wie noch nie habe er in den vergangenen Jahren verkauft, heuer seien es inklusive der Raketen, die er importiere, an die fünf Millionen Euro, rechnet Liebenwein vor. Für ein gescheites Feuerwerk gebe es immer wieder Geld, selbst von finanziell unter Druck stehenden Gemeinden, meint Robert Siegert, der die pyrotechnische Branche als Waffenhändler in der Wirtschaftskammer vertritt - Einbußen gebe es nur bei Katastrophen, etwa nach dem Tsunami vor sechs Jahren, nach dem viele ihr Geld lieber spendeten, als es zu Silvester in Rauch aufgehen zu lassen.
Die Kammer beziffert den Neujahrsumsatz der privaten Konsumenten mit zehn Millionen Euro. Jährlich legen die Österreicher für die Lichtspiele am Himmel bis zu 25 Mio. Euro im Handel ab, weiß Liebenwein aus der Praxis. Der Markt sei längst zu mehr als 70 Prozent in Hand großer Ketten, Baumärkte wie Lebensmittelkonzerne mischen ihn seit Anfang Dezember mit Dumpingpreisen auf.
Insgesamt schießen 10.000 Verkaufsstellen in den 14 Tagen vor Neujahr aus dem Boden. Unternehmer aller Branchen engagierten sich da kurzzeitig als Pyrotechniker, von Stempelerzeugern bis zu Trafikanten, sagt Siegert, der vielen die dafür notwendige Gewerbeprüfung abnimmt.
Für weiterhin boomende Geschäfte sorgt das neue Pyrotechnikgesetz: Es hat die Zielgruppe der Käufer für Raketen und Kracher vergrößert, da um zwei auf 16 Jahre verjüngt, was Polizei und Ärzte wenig freut. Zudem darf in Raketen nun die zehnfache Füllmenge stecken, mit spektakuläreren Explosionen. Dass das die Kracherei noch riskanter macht, sieht Siegert nicht so: Im Gegenzug gebe es strenge Zertifizierung, die Ämter in Deutschland und Slowenien abwickeln. Das Gesetz teilt Feuerwerkskörper in vier Klassen: Die beiden oberen sind für Amateure tabu. Knallerbsen fallen unter die erste, wer sie will, muss älter als zwölf sein.


Verena Kainrath
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