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de27.09.2012 Die Angst geht um im Pferdestall

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Rees/Niedermörmter. Ehepaar Rosi und Dieter Szalies plädiert für eine Verlegung der Abschussrampe für das Feuerwerk.

20.50 Uhr. Rosi Szalies guckt auf die Küchenuhr. „Wir haben immer richtig Angst vor diesem Abend“, sagt sie, erhebt sich und drängt: „Wir müssen jetzt in den Stall.“ Wenige Augenblicke später sind Rosi und Dieter Szalies bei den Pferden Larona, Lord und Schoki. Nadine Bertram ist auch schon da, die Besitzerin von Schoki. Die drei befürchten Schlimmes, ausgelöst durch das Feuerwerk, das traditionell die Reeser Kirmes beschließt. „Vor zwei Jahren gerieten die Pferde durch Böller und Blitze, die vor den Fenster zucken, völlig außer Kontrolle. Larona war derart nervös, dass sie über die Boxenmauer zu springen versuchte. Rosi Szalies konnte die Stute gerade noch daran hindern. Pferd und Halterin zogen sich Verletzungen zu. „Nicht schwer, aber schmerzhaft“, sagt Dieter Szalies. Da ertönt der Böllerschuss, der das aktuelle Spektakel eröffnet.

Tinker Lord bleibt gelassen, aber Wallach Schocki schnaubt, dreht sich nervös um die eigene Achse. Larona ist sichtlich das sensibelste der drei Pferde. Die Stute durchquert ihre Box, die Augen werden groß und ängstlich, das Weiße tritt deutlich hervor. „Schon gut, ist ja gut“, beruhigt Dieter Szalies.
Stadt verzichtet auf große Böller

Seit 2010 gibt es das Problem. Damals rückte das Feuerwerk wegen des Baus der Flutmulde einige hundert Meter näher an den Hof der Szalies’ heran, abgeschossen wurde vom Fähranleger, rund 150 Meter vom Hof entfernt. „Was selbst von einem Sachverständigen als ‘problematisch’ bezeichnet wurde“, sagt Szalies, der mit Ernst-Hermann Ridder gesprochen hat. Schließlich lagert der Hofbesitzer Heu und Stroh über dem Pferdestall ein, auf dessen Dach jetzt Reste von Feuerwerkskörpern prasseln. „Das war im letzten Jahr viel schlimmer, so schlimm, dass die Pferde in Panik geraten sind“, sagt der 73-Jährige. Dabei hatte die Stadt Rees das Feuerwerk 2011 vorsorglich rund 200 Meter weiter weg auf die Flutmulden-Baustelle verlegt. „Das war gut gemeint, gebracht hat es nichts“, so Szalies. Weil aktuell dort wieder die Böller gezündet werden, ist er so besorgt.

Dabei hatte die Stadt den Szalies‘ angeboten, die Pferde für die Dauer des Spektakels abzutransportieren. Das lehnten die Pferdeliebhaber ab. „Das bedeutet Stress für die Tiere, die sich ohnehin nicht gern verladen lassen.“ Szalies schlägt vielmehr vor, das Feuerwerk in die Auewiesen am östlichen Ende der Reeser Promenade zu verlegen. „Davor liegt der Skulpturenpark als sehr attraktive Tribüne“, fügt er hinzu. Da herrscht plötzlich Ruhe. „Schon vorbei?“, wundern sich die Szalies’. „Es war dieses Mal nicht so schlimm.“

„Wir haben auf die ganz großen Böller den Tieren zuliebe verzichtet“, teilte Stadt-Pressesprecher Frank Postulart am folgenden Tag mit. Auch über eine Verlegung des Feuerwerks seien schon erste Gespräche geführt worden. „Aber“, schränkt Postulart ein, „Wirklichkeit werden könne das erst nach Abschluss der Bauarbeiten an der Flutmulde. Also frühestens 2014.


Maria Raudszus
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