Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de12.11.2012 "Auf Besucher regnet die Palette der pyrotechnischen Mischungen herunter"

Zum Interview "Jede Bombe handgemacht"mit dem Pyrotechniker Edgar Rohr (BZ vom 27. Oktober)

Die Tatsache, dass beim diesjährigen Feuerwerk auf der Freiburger Herbstmesse auch Smileys am Himmel leuchten sollen, birgt einen ganz besonderen Sarkasmus. Denn gerade die Zuschauer am Boden haben recht wenig zu lachen – regnet auf sie doch die ganze Palette der pyrotechnischen Mischungen herunter.

Dabei ist das zur Steuerung bestimmter chemischer Vorgänge nach wie vor eingesetzte Schwarzpulver – ein Gemisch aus Kaliumnitrat, Schwefel und Holzkohle – wohl noch am harmlosesten. Schwermetalle, wie Chrom, Nickel, Kupfer oder Blei, die als Katalysatoren eingesetzt werden, haben schon in winzigsten Mengen unvorhersehbare Wirkungen auf den menschlichen Organismus, ebenso die zur Flammenfärbung eingesetzten Strontium- und Bariumverbindungen.

Gar nicht zum Lachen zumute sollte es den Zuschauern beim Einsatz bestimmter organischer Verbindungen zur Erzeugung von Blitz-und Knalleffekten zusammen mit Chlorverbindungen sein, denn auch das hochgiftige Dioxion ist aus solchen Reaktionen entstanden.

Das Reaktionsgeschehen beim Abbrand pyrotechnischer Mischungen ist nur mit aufwendigen physiko-chemischen Untersuchungen annähernd nachzuvollziehen und meist gar nicht richtig untersucht. Insbesondere dann nicht, wenn das Feuerwerk, wie mittlerweile üblich, billig produziert wird und aus angrenzenden Oststaaten oder gar aus China kommt. Wenn Herr Rohr in dem Interview in der Badischen Zeitung sagt, Regen spiele beim Abbrennen eines Feuerwerkes keine Rolle, so stellt sich natürlich die Frage: Für wen nicht?

Die Zuschauer jedenfalls bekommen bei Regen den ganzen Segen sogleich von oben zurück. Ohne Regen, aber vielleicht mit etwas Wind, landet das meiste auf den umliegenden Feldern, wo der gesundheitsbewusste Zuschauer anderntags sein " Biogemüse" kauft.

Die Gemeinden, in deren Zuständigkeitsbereich die Genehmigungen von Feuerwerken fallen, sollten im Interesse von Mensch und Natur etwas sparsamer damit umgehen. Oder täuscht mein Eindruck, dass diese unsinnigen Spektakel mittlerweile enorm zugenommen haben?


Heinz Ruf
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