Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de05.12.2012 „Was macht ihr eigentlich Silvester?”

Tausche exotische Silvesterfeier gegen gemütlichen Fernsehabend!

Alleine die Frage nervt mich schon – was aber den Fragesteller in der Regel nicht interessiert.
„Wir feiern dieses Silvester in Frankfurt”, berichtet mein Bekannter bevor ich überhaupt antworten kann.
„Auf der Dachterrasse eines Luxushotels mit 4-Gänge-Menü und Skyline-Feuerwerk.”
Was denn ein Skyline-Feuerwerk sei, möchte ich wissen. Der Bekannte zuckt die Achseln: „Keine Ahnung aber es klingt auf alle Fälle cool.”
„Ja echt super”, stimme ich ihm höflicherweise zu. Tatsächlich kann ich mir kaum etwas Schlimmeres vorstellen als zusammen mit anderen, völlig fremden Möchtegern-Schickimickis in einem Frankfurter Luxushotel zu feiern. Ich nehme mal an, das Skyline-Feuerwerk heißt deshalb so, weil man den Aldi-Raketen der Frankfurter von der Dachterrasse des Hotels beim Explodieren zusehen darf.

Warum meint eigentlich jeder den Silvesterabend an einem ganz besonderen Ort unter ganz besondern Umständen verbringen zu müssen? Das ist ja direkt zwanghaft!
Ich gebe zu, dass ich auch schon ein paarmal diesem Silvester-Hype erlegen bin. In jüngeren Jahren hielten wir es für eine gute Idee, Silvester auf einer Berghütte zu verbringen – der Klassiker schlechthin.
Der unbekümmert dahingesagte Satz: „Da kommt man mit dem Auto hoch”, hat seither für mich eine ganz eigene Bedeutung.
Abgesehen davon, dass wir nach einem dreistündigen Fußmarsch bei einem halben Meter Neuschnee völlig durchgefroren und erschöpft oben ankamen, stellte sich heraus, dass zwar jeder seinen Rucksack mit Spirituosen und Böller gefüllt hatte, aber für 12 Leute nur drei Päckchen Nudelsuppe vorhanden waren – und zwei Tüten Paprikachips.
Erwähnte ich schon, dass die einzige Wärmequelle bei minus 10 Grad ein Holzofen im Gemeinschaftsraum war? Kaltes Wasser, kalte Schlafzimmer, miese Stimmung. Die Pärchentrennungsrate nach dieser Silvesterfeier ist noch heute legendär.

Ganz ehrlich: Ich brauche das nicht mehr. Aber einfach gar nichts an Silvester zu unternehmen klappt dann irgendwie auch nie.
In aller Regel kommt von irgendjemand aus dem Freundeskreis der Vorschlag, man könne es sich doch bei ihm daheim ganz gemütlich machen, bei Fondue oder heißem Stein und vielleicht einem schönen Partyspiel.
Um Mitternacht könnten wir dann 123 Euro in Form von Raketen, Krachern und Sternspritzern in die Luft jagen, um uns dann kollektiv in die Arme zu fallen und ein gutes neues Jahr zu wünschen.
In der Regel müssen dann die Kinder ins Bett, so dass man sich auf den Nachhauseweg machen muss – mit äußerlichem Bedauern und innerlicher Erleichterung.
Endlich ins Bett – leider mit vollem Bauch.

Das ist die Form der Silvesterabendgestaltung, die ich persönlich für gerade noch verträglich halte. Und so sahen auch unsere Silvesterabende der letzten Jahre aus.

Ich träume insgeheim aber immer noch davon, Silvester irgendwann wie einen ganz normalen Abend verbringen zu können.
Ich freue mich auf den Tag, die Frage: „Was macht ihr eigentlich Silvester” mit einem kurzen und prägnanten „Nichts” beantworten zu können ...


mike schmitzer
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