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de28.12.2012 Silvester: Wo ist die Weihnachtsstimmung plötzlich hin?

Kapaunenberg-Wirt Werner Woytowicz  Kapaunenberg-Wirt Werner Woytowicz

Emmerich (RP) - Kapaunenberg-Wirt Werner Woytowicz hat kein Problem damit, wenn's mal laut zu- und hoch hergeht. Aber mit der Knallerei zum Jahreswechsel kann er nichts anfangen.

"Sicher ist das auch ein Brauchtum. Aber es ist einfach ein wahnsinniges Geld, das da verfeuert wird", gibt er zu bedenken. "Dafür muss man hart arbeiten, damit kann man schönere Sachen machen." Und zwar nach eigener Lust und Laune. Oder man könnte es für gute Zwecke spenden: "Es gibt auf der Welt genug Menschen, die Hunger leiden."

Geldverschwendung

Für Werner Woytowicz ist das auch eine philosophische Frage: Wo ist die besinnliche, friedliche, großzügige Weihnachtsstimmung plötzlich hin? In die Luft gejagt! "Eine Woche vorher hält man noch inne, redet von Nächstenliebe und echten Werten. Und dann gehen wir ins neue Jahr, und es geht nur noch um Action, und es wird Geld verschwendet, das man besser einsetzen könnte."

Nebenbei – der Spaß mit den Raketen ist nicht ganz ungefährlich, jedes Jahr gibt es Verletzte. "Selbst Zwölf- oder Dreizehnjährige hantieren damit", warnt er. "Ich habe schon erlebt, dass mir Feuerwerkskörper mehr oder weniger vors Auto geworfen wurden." Wenn er an die Risiken denkt, die gerade Kinder rund um Silvester eingehen, wird ihm ganz anders. "Es gibt einen richtigen Schwarzmarkt mit Knallern mit größerer Sprengkraft."

Am Rande erkennt er weitere unschöne Begleiterscheinungen: "Besonders nervig finde ich die Vorknallerei. Tagelang vor Silvester wird geknallt." Als Hundebesitzer denkt er auch voller Mitgefühl an die Ohren – und Nerven – der Vierbeiner.

Umweltaspekte sind es hingegen gar nicht mal, die ihn bewegen. Auch die große Aufräumerei am Tag danach stört ihn kaum: "Nach jeder Großveranstaltung muss man halt saubermachen", nach Karneval fegt er auch frohgemut Konfetti weg.

Werner Woytowicz will niemandem den Spaß verderben. Wer bei seiner Silvesterparty ballern will, der darf: "Ich renne nicht durch die Gegend und rede es den Leuten aus", sagt er. "Aber ich wundere mich, dass die Menschen so viel Geld dafür übrig haben."

Sein Vorschlag: Diese Mittel könnten sie spenden statt sie zur Explosion zu bringen. Ganz bewusst, für irgend einen Zweck, der ihnen sinnvoll scheint. "Für viele Menschen wäre das bestimmt die größere Befriedigung", lockt er. Man könnte es ja einfach mal ausprobieren – nur diesmal, vielleicht täte es ja wirklich gut. Und wer aufs Krachmachen gar nicht verzichten will: "Es gibt sicher bessere Möglichkeiten" – und wenn's Topfdeckel sind.

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