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de29.12.2012 Silvester stellt holländisch-deutsche Beziehung auf die Probe

Krieg der Pyromanen Karikatur Krieg der Pyromanen Karikatur

Gronau - So muss sich Krieg anhören, wenn die Front näher rückt. Regelmäßig vor Silvester werden die holländisch-deutschen Beziehungen temporär gestört - durch Böller und Raketen.

Kopf hoch! Die ersten 24 Stunden und damit auch die ersten „Angriffswellen“ haben wir doch schon überstanden. Wovon ich rede? Na, von den temporären Störungen der ansonsten als durchaus harmonisch zu bezeichnenden nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Niederländern und Deutschen. Alle Jahre wieder werden die in den Tagen von Silvester regelmäßig auf eine harte Probe gestellt – man könnte auch sagen: Zeitweise ausgesetzt.

Der Auslöser: Dumpfe Detonationen von Feuerwerkkörpern, die aus Gronaus holländischen Nachbarorten herüberschallen und bisweilen bei all denen, die bisher nur Friedenszeiten erlebt haben, die Vermutung aufkommen lassen: So muss sich Krieg anhören, wenn die Front langsam näher rückt.

Aber: Es wäre ungerecht, nur die Niederländer an dieser Stelle als Böller-Fetischisten an den Pranger zu stellen. Denn regelmäßig lässt sich in den Tagen vor dem Jahreswechsel auch feststellen: Die Deutschen schießen zurück. Bergeweise werden Böller, Kracher und Co. aus den Läden geschleppt: Hier das Neutron-Star-Paket für 9,99 Euro, da das Feuerwerksortiment „World Champion“ für 16,99 Euro. Oder gleich die Komplett-Artillerie in der Mini-Box für explosive 230 Euro. Und dann gibt es noch all die Hobby-Alchimisten, die am liebsten selbst irgendwelche Gemische zusammenrühren und anschließen das Streichholz dranhalten. Nicht immer mit der erwünschten Wirkung.

Sie erinnern sich: Vor Jahren sprengte im Nachbarort Glanerbrug ein Niederländer mit Böllern „Marke Eigenbau“ einen Krater in einen Spielplatz, der selbst manche Land-Mine in Krisengebieten der Welt neidisch gemacht hätte. Von Toten und Verletzten durch Raketen-Unfälle will ich nicht reden – alle Jahre wieder „predigen“ Feuerwehr, Polizei und andere Behörden den richtigen Umgang mit dem Feuerwerk. Manche Menschen aber werden offenbar nicht schlauer.

Woher, so frage ich mich, kommt eigentlich die Lust am Spiel mit „Zieselmännchen“, China-Böllern und XXL-Krachern? Ist es das Gefühl, die eigenen Grenzen „sprengen“ zu können? Die Freude daran, andere mit Krach und Gestank zu ärgern? Oder glauben manche Zeitgenossen tatsächlich, mit der Knallerei böse Geister verjagen zu können?

Bevor Sie mich jetzt als Spaßbremse an die Seite legen: Ich habe durchaus Freude an einem farbenprächtigen Feuerwerk. Das darf gerne ein paar Euros kosten, sollte aber von Profis geplant und abgefeuert werden. Staunend schaue ich dann gen Himmel und freue mich an der glitzernden Lichterpracht.

Das sinnlose Krachenlassen aber find’ ich nur doof. Zumal, wenn es Mitmenschen erschreckt und Tiere quält. Schade auch um das viele Geld, das auf diese Weise im wahrsten Sinne des Wortes verbrannt wird. Welche schönen und sinnvollen Dinge ließen sich dafür kaufen? Wie viel Not auf dieser Welt eindrucksvoll lindern. Denn wir reden nicht über „Peanuts“: 113 Millionen Euro verballern die Deutschen im Schnitt der letzten Jahre an Silvester.

Ich habe keine Hoffnung, dass diese Zeilen irgendeinen „Silvester-Sprengmeister“ bekehren können. Am Neujahrsmorgen werden wir auf den Straßen und Bürgersteigen wieder über Berge von ausgebrannten „Abschussrampen“ steigen, die tags drauf von der Stadtreinigung – für teuer Geld – eingesammelt und beseitigt werden müssen.

Das sind dann so Tage, da wünschte ich mir, die Maya hätten mit dem Ende ihres Kalenders und dem Untergang der Welt doch recht gehabt. Dann hätte dieser Quatsch auch ein Ende – ob mit oder ohne Knall wäre mir in dem Fall egal gewesen . . .

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