Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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at06.01.2013 Tagelanger Lärmterror zum Jahreswechsel

Zugegeben: Ich bin eine Spaßbremse. Genauer gesagt, ich wäre gern eine. Ich würde gern diejenigen bremsen, die es als Spaß ansehen, mittels Kracher und Raketen Postkästen und Zigarettenautomaten in die Luft zu jagen, Autos, Wohnungen argloser Mitmenschen fahrlässig oder absichtlich in Brand zu setzen, Schweizerkracher jemandem vor die Füße oder hinter jemandem her zu schmeißen und Knallkörper in Menschenmengen zu zünden (das alles war im Fernsehen zu sehen und in den Salzburger Nachrichten zu lesen). Ich würde gern den Spaß bremsen, der unser aller Trommelfelle und Nerven tagelang strapaziert, Kindern und alten Menschen Ruhe und Schlaf raubt und alljährlich um Silvester und Neujahr Millionen von Haus-, Nutz- und Wildtieren in Panik, Angst und Schrecken versetzt. Aufräumtrupps und Einsatzkräfte bewegen sich mittlerweile bei ihrer Arbeit rund um den Jahreswechsel wie auf Minenfeldern, nie weiß man, ob nicht ein Blindgänger (!) just in dem Moment losgeht, in dem man auf ihn trifft. Dabei regelt das Pyrotechnikgesetz 2010 Verkauf, Besitz und Verwendung von Knallkörpern ebenso genau wie streng.
Aber die Gemeinden können per Verordnung einzelne Paragrafen kurzzeitig aufheben: um den Spaß, die Feierlaune, das Geschäft des Handels und der Gastronomie nicht zu gefährden. Weil Ballerei, Böllerei, Sauferei und Jahreswechsel zusammengehören.
Die Ausnahmen gelten meist nur für wenige Stunden und laut §38 Abs 4 dürfen auch in dieser Zeit im verbauten Gebiet keine pyrotechnischen Gegenstände der Kategorie F2 (worunter außer Teppichkrachern und Sterndlspritzern praktisch alles fällt, was fliegt und explodiert) verwendet werden. Aber das schert eben keinen. Nichts spricht gegen ein fulminantes öffentliches Feuerwerk aus der Hand von Profis, auch nichts gegen einen gepflegten kleinen Funkenzauber im privaten Bereich. Aber tage- und nächtelangen Lärmterror durch Schweizerkracher finde ich nicht lustig. Ebenso hört sich bei den um sich greifenden kollektiven Schießpulverschlachten unzuverlässiger, schwer alkoholisierter "Kleinkrieger" der Spaß auf. Heranwachsende sind selten in der Lage, das Selbst- und Fremdgefährdungspotenzial der giftigen, explosiven, brennbaren Substanzen, mit denen sie "spielen", zu erkennen. Die Einsatzberichte von Rettung und Feuerwehr füllen Bände. Ein Verkaufsverbot an unter 16-jährige ist zu wenig. Das Problem ist die temporäre Verharmlosung explosiver Stoffe, die flächendeckende Überschwemmung des ganzen Landes mit Knallramsch und die Duldung des inflationären Gebrauchs durch minder zuverlässige Personen. Da hört sich der Spaß auf. Für mich.


Dr. Rosemarie Fuchshofer
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