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de03.08.2013 Böllern darf man immer

Langewiesen - "Böllern darf man in Thüringen immer; jederzeit und überall", erklärte Manfred Gehlhaar, Vorsitzender des Böllervereins Langewiesen 2013.

"Es muss nur vorher im Ordnungsamt, bei der Polizei und der Feuerwehr angemeldet werden. Obwohl das auch nicht ganz genau ist: Die Behörden sollten informiert werden. Mehr nicht." Der 58-jährige Gehlhaar kennt die verdutzten Gesichter seiner Gesprächspartner, wenn er ihnen die freizügigen Reglungen für das Betreiben seines Hobbys, dem Böllern mit Böller-Kanonen, erläutert.

"Aber natürlich darf nicht jeder böllern. Das darf nur, wer einen 'Pulverschein', also die 'Erlaubnis nach § 27 des Sprengstoffgesetzes', vom Amt für Arbeitsschutz Erfurt vorweisen kann." Manfred Gehlhaar kann das seit 2001. "Diese Erlaubnis bekommt man nicht geschenkt".

Um richtig "Böllern" zu können, bedarf es natürlich zahlreicher Vorbereitungen, von denen der Transport zum Aktionsort nicht die leichteste ist: Das Kanonenrohr wiegt 48,5 Kilogramm, die Lafette aus Eichenholz noch einmal 40 Kilogramm. "Da geht ein Pkw schon mal in die Knie, wenn wir die Kanonen verladen", so Gehlhaar.
Entscheidend ist das Laden der Kanone. Gehlhaar und Heyder nehmen dafür kleine Säckchen aus Schwarzpulver, "genau 60 Gramm schwer". Danach wird das Rohr mit 20 Gramm Kork verdämmt. "Sonst knallt es nicht. Wir verdämmen ganz bewusst mit Kork, nehmen keine Sägespäne oder nasses Papier, wie andere. Da kann es schnell passieren, dass es nach dem Schuss lauter kleine weiße Ascheteilchen regnet. Bei uns nicht, bei uns kracht es nur."
Das gilt auch für den sogenannten Standböller, ebenfalls eine Extra-Anfertigung. Dieser Böller mit einem Kaliber 32 wird sogar mit 75 Gramm Schwarzpulver beladen. "Mit dem Stand-Böller ist der Schalldruck noch größer, weil er gleichmäßig nach oben weg geht", erklärte Günther Heyder. Der Standböller ist für den dritten Mann im Bunde gedacht, "weil der ja auch mal Böllern will."

Eines wissen die Mitglieder des Böllervereins 2013 noch immer nicht, wie sie verrieten: Wie laut solch ein Böllerschuss von ihnen eigentlich ist. "Demnächst sollen seine Dezibel ja mal gemessen werden", kündigte Gehlhaar an. "Zu überhören ist er sowieso nicht."

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