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de23.12.2013 Deutsches Feuerwerk aus chinesischer Produktion

Comet in Bremerhaven ist einer der größten Feuerwerkshersteller in Deutschland. Produziert wird allerdings in China. Ein Gespräch mit Comet-Geschäftsführer Richard Eickel.

Herr Eickel, produzieren Sie noch selbst Feuerwerkskörper?
Nein, die Produktion wurde 2004 eingestellt.

Warum?
Weil es wirtschaftlich nicht mehr tragbar war, noch in Deutschland zu produzieren.

Wem gehört Comet?
Einem chinesischen Konsumgüterkonzern, der Li & Fung Gruppe mit Sitz in Hongkong.

Warum wurde an die Chinesen verkauft?
Comet hat schon sehr früh in China zugekauft. Genauer gesagt, seit den 60er-Jahren importiert Comet schon Feuerwerkskörper von dort.

Wie viele Tonnen Feuerwerkskörper werden pro Jahr importiert?
Wir können hier in Bremerhaven in unseren Hallen drei mal 600 Tonnen lagern. Das ist sehr viel.

Wie viel setzt die Feuerwerksbranche im Jahr um?
Knapp 127 Millionen. Die werden allerdings in den ersten 30 Minuten des neuen Jahres verballert.

Was verdient ein chinesischer Mitarbeiter?
Die Löhne in China werden in sogenannten Fünf-Jahres-Plänen festgelegt. In den Regionen, in denen wir herstellen lassen, sind das umgerechnet 150 bis 250 Euro im Monat.

Wie schwierig ist die Konkurrenzsituation am Markt?
Es ist ein harter Kampf und er kann noch härter werden, da inzwischen eine Europa-Norm verabschiedet ist. Die Feuerwerkskörper bekommen künftig ein CE-Kennzeichen. Dadurch wird der Markt weiter geöffnet. Damit werden viele ausländische Konkurrenten versuchen, auf dem deutschen Markt sesshaft zu werden.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie durchgängig im Jahr?
Etwas über 70. Das läuft bei uns im Wellengang. In der Saison beschäftigen wir bis zu 200 Mitarbeiter.

Ist das ganze Jahr über bei Ihnen Feuerwerkssaison?
Nein, wir erwirtschaften und erzielen unseren Umsatz im Handel zu 98 Prozent an drei Verkaufstagen im Jahr. Dieses Mal vom 28. bis zum 31. Dezember.

Wer entscheidet, was neu auf den Markt kommt?
Zuerst wir in Bremerhaven mit unserer Entwicklungsabteilung.

Geht der Trend mehr zum Knallen oder zu buntem Feuerwerk?
Mehr zum bunten Feuerwerk und zu Effekten. Feuerwerksbatterien sind eindeutig auf dem Vormarsch. Für viele ist trotzdem der klassische Knaller, der "Böller", nach wie vor ein Muss.

Was wird zu Silvester dieses Jahres der Verkaufsrenner sein?
Mehrfach miteinander verbundene Feuerwerksbatterien, die man nur einmal anzündet, um dann komplett das Feuerwerk zu genießen. Dabei kann man sich auch in Ruhe zuprosten.

Wie hoch fliegen Ihre Raketen?
So um die 90 Meter. Das ist die maximale Steighöhe. Es geht aber auch gar nicht darum, dass die Rakete ins Unermessliche hoch steigt. Wenn es auch nur ein bisschen neblig ist, wird der Effekt – je höher die Rakete fliegt – umso kleiner. Man muss die richtige Balance finden. In der Rakete brauche ich 50 Prozent für den Treibsatz, um nach oben zu kommen und 50 Prozent für die Zerlegerladung.

Wie teuer sind 15 Minuten Feuerwerk?
Bei einem Klasse-2-Feuerwerk liegt man so bei 250 bis 300 Euro.


Norbert Vojta ist Journalist und Honorarprofessor an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg

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