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de16.05.2014  Wegen Böller zum Arbeitseinsatz

Zwei Angeklagte sollen bei einem Fußballspiel in Lunzenau Knallkörper geworfen haben. Das Verfahren vor Gericht wurde gegen Auflagen eingestellt.

Döbeln/Lunzenau. Das Amtsgericht Döbeln hat das Verfahren gegen zwei junge Männer aus Lunzenau und Forst am zweiten Prozesstag eingestellt. Der Grund: Widersprüchliche Aussagen der Angeklagten und von Zeugen.

Den beiden Angeklagten war vorgeworfen worden, am 29. Juni 2013, gegen 16.45 Uhr bei einem Fußballspiel in Lunzenau Böller gegen einen Krankenwagen geworfen zu haben. An diesem Tag fand dort ein Freundschaftsspiel zwischen dem CFC und dem SV Fortschritt Lunzenau statt.

Am ersten Verhandlungstag hatte der 21-Jährige zugegeben, den Böller gezündet zu haben. Der 17-Jährige stritt jedoch jede Tatbeteiligung ab. Weil in der Verhandlung Zeugen unterschiedliche und teils widersprüchliche Aussagen machten, wurde das Verfahren vertagt. Am zweiten Prozesstag sollte ein Fotograf als Zeuge vernommen werden, der im Auftrag des SV Fortschritt Lunzenau Fotos vom Spiel und so auch möglicherweise von den Böllerwerfern gemacht haben soll.

Wegen der zu kurzfristigen Ladung konnte der Fotograf nicht zur Verhandlung erscheinen. Richterin Marion Zöllner fragte deshalb erneut die Angeklagten, wer die Böller geworfen hat. Während der 21-Jährige bei seiner Aussage blieb, die Knallkörper nur gezündet zu haben, gab der 17-Jährige nun zu, ein Plakat mit der Aufschrift "Pro Pyro!" zum Spiel mitgebracht zu haben. Das Plakat wurde ihm vor dem Stadion vom Sicherheitsdienst weggenommen. Die Böller will er nicht geworfen haben. Daraufhin fragte Richterin Zöllner die Beschuldigten, welche Kleidung sie zum Tatzeitpunkt getragen haben. Doch daran konnten sich beide nicht erinnern.

"Ich habe das Gefühl, Sie und auch die Zeugen waren alle an einem anderen Tag auf einem anderen Sportplatz", sagte Richterin Marion Zöllner. Um bei der Klärung des Sachverhaltes voranzukommen, schauten sich Richterin, Staatsanwältin Angelika Rickert und die Beschuldigten die Bilder an, die der Fotograf beim Fußballspiel gemacht hat. Auf einem der Fotos ist deutlich zu erkennen, dass sich die beiden jungen Männer auf den Krankenwagen zubewegen. Ob beide die Knallkörper geworfen haben oder nur einer von ihnen, diese Frage bliebt genauso unbeantwortet, wie die, wer von den beiden der Werfer war.

Ein weiterer Zeuge, der den 17-Jährigen entlasten sollte, wurde ungehört entlassen. "Wir wollen nicht, dass wir gegen ihn möglicherweise wegen Falschaussage ermitteln müssen", erklärte Richterin Zöllner. Denn gegen zwei Zeugen ermittelt bereits die Staatsanwaltschaft wegen uneidlicher Falschaussage vor Gericht. Mit dem Einverständnis der Staatsanwaltschaft wird das Verfahren gegen die beiden Angeklagten gegen Auflage eingestellt. Der 17-Jährige muss zehn Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten, der 21-Jährige 30 Stunden - bis zum 31. Juli dieses Jahres im Stadion des SV Fortschritt Lunzenau.


Helene Krause
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