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de26.08.2014 Böllerei macht Gemeinderat hellhörig

Immer öfter rumst und kracht es in Gersdorf, gefühlte drei- bis viermal pro Woche. Die Gemeinde will illegale Feuerwerke eindämmen, weiß aber noch nicht wie.

Wirklich gezählt hat noch niemand, wie oft Feuerwerke, die nicht angemeldet sind, den Himmel über Gersdorf erleuchten. Das Thema private Feuerwerke scheint nun auch im Ort am Hegebach hochzukochen. Zur jüngsten Gemeinderatssitzung wurde erst einmal vorgefühlt, wie die Verwaltung damit umgeht.

Ein Einwohner klagte: "Die im oberen Ort wohnen, kriegen auch noch mit, was in Lugau und Oelsnitz in der Luft abgeht. "Da sind manchmal Böller dabei, die gehen von der Lautstärke über das normale Maß deutlich hinaus." Betroffen fühlen sich offenbar vor allem Familien mit kleinen Kindern oder Haustieren. Ein Besucher der Gemeinderatssitzung hat mehrmals beobachtet, was losgeht, wenn abends unvermittelt Feuerwehr gezündet wird: "Die Schafe auf der Weide drehen fast durch." Auch Gersdorfs Bürgermeister Wolfgang Streubel kennt ein Beispiel: "Da musste einer seinen geflüchteten Hund an der Garnstraße wieder auflesen." Das liegt ein paar Hundert Meter von der Wohnbebauung entfernt.

Wie viele private Feuerwerke in der Gemeinde illegal abgefackelt werden, ist kaum zu ermitteln. "Es sei denn, es gibt eine Anzeige", sagt Yvonne Schwarz vom Ordnungsamt. Sie registrierte im Jahr 2013 insgesamt zwölf Anmeldungen. Mit der Anmeldegebühr von 5 Euro pro Feuerwerk erlegt die Verwaltung den Gersdorfern nur einen bescheidenen Obolus auf. Oberlungwitz verlangt 10 Euro, Callenberg 30,68 Euro. Der einst runde Betrag ist bei der DM-Umrechnung deutlich krummer geworden und seither so geblieben. Auch in Hohenstein-Ernstthal geht in dem Bereich die Gebühr los, nach oben gestaffelt je nach Aufwand - notwendige Kontrollen oder Beteiligung anderer Ämter. Lichtenstein verlangt auch lediglich 10 Euro, legt aber die Latte etwas höher. "Wir haben bis zu 70 Hochzeiten im Jahr, dazu kommen andere große Feiern. Wir lassen grundsätzlich alles zu, verlangen aber, dass es von einem Feuerwerker mit dem notwendigen Befähigungsnachweis ausgeführt wird."

Gersdorfs Ortschef zweifelt unterdessen, dass eine Gebührenerhöhung den gewünschten Effekt erzielt. So sieht es auch die Frau vom Gersdorfer Ordnungsamt. "Es könnte dann passieren, dass noch weniger Leute ihr Feuerwerk anmelden und lieber das Bußgeld in Kauf nehmen, wenn sie erwischt werden. Das ist aber eher unwahrscheinlich. Aus der Ferne ist kaum auszumachen, wer das Feuerwerk veranstaltet. Bis man dort ist, ist es vorbei." Gemeinderat Martin Vieweger sieht das Ganze praktisch: "Wer sich durch die Knallerei belästigt fühlt, der sollte die Polizei rufen."

Die Verwaltung will zumindest noch einmal an die Vernunft appellieren, im Amtsblatt auf geltendes Recht hinweisen und zugleich anregen, private Feuerwerke auf ein Minimum zu beschränken oder wenigstens anzumelden. Yvonne Schwarz: "Wenn es die Örtlichkeiten hergeben, sehe ich wenig Gründe, ein Feuerwerk abzulehnen. Dem einen ist eben der 30. Geburtstag genauso wichtig wie anderen die Hochzeit."

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