Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de22.09.2014 Geheiratet wird mit einem Knall

Immer öfter soll ein Feuerwerk den "schönsten Tag im Leben" schmücken – auch in Bayern. Längst haben Pyrotechniker den Hochzeitsmarkt entdeckt. Doch der mitunter teure Spaß erfreut nicht alle.

München – Erst vor wenigen Wochen war der Ärger am Tegernsee (Kreis Miesbach) wieder groß. Ein Feuerwerk an einem Montagabend um 22 Uhr hat in Rottach-Egern das Fass zum Überlaufen gebracht: Die Anwohner sind genervt von der ständigen Knallerei zu Hochzeitsfeiern. Noch dazu, weil sie selten angekündigt ist. Nach dem Knall haben zwar alle Beteiligten nun Besserung gelobt, die Debatte über die privaten Feuerwerke hält aber an.

Geführt wurde sie im vergangenen Jahr auch in Schliersee. Hier störten ebenfalls Hochzeitsfeiern den Frieden im Ort. „Das ist eine Einschränkung, die das ganze Dorf hat durch den Spaß von wenigen. Und der Spaß hört dort auf, wo der Schaden anderer anfängt“, sagte damals eine Anwohnerin beim Runden Tisch. Kleine Kinder und alte Menschen werden im Schlaf gestört, Tiere aufgeschreckt und die Raketen landen anschließend im See.

Eine Lösung in den Konflikt brachte damals der Münchner Pyrotechniker Norbert Stöcklin: Neben einer freiwilligen Vereinbarung schlug er vor, dass die Wirte ihren Hochzeitspaaren Alternativen aufzeigen. Stöcklin berichtet von Barockfeuerwerken, die leise sind und auch nur 50 statt 200 Meter in den Himmel aufsteigen. „Das kommt gut an“, sagt der Pyrotechniker nun. „Das ist so stimmungsvoll, da braucht man gar kein Geknalle.“

Dass der Trend bei Paaren zum Feuerwerk geht, kann Stöcklin nur bestätigen. „Es nimmt generell immer mehr zu.“ Nicht nur bei Hochzeiten leuchtet es bunt am Himmel, auch bei Geburtstagen, Betriebsfeiern und Volksfesten wird immer öfter geknallt.

Warum das gerade bei privaten Hochzeiten so ist, erklärt die Vorsitzende des Bundes deutscher Hochzeitsplaner, Friederike Mauritz. „Heute wird bei Hochzeiten mehr auf die Optik geachtet. Vor zehn oder 20 Jahren gab es das noch seltener.“ Außerdem böten Feuerwerksfirmen inzwischen auch kleinere Spektakel für weniger als 1000 Euro an. Mauritz schätzt, dass bei jeder 20. Vermählung ein Feuerwerk am Himmel leuchtet. 2013 hat das Statistische Bundesamt rund 375 000 Eheschließungen in Deutschland registriert. (Das entspräche 18 750 Feuerwerken, Anm. d. Red.)

Die nötige Ausnahmegenehmigung für ein privates Feuerwerk erteilt in Bayern das Landratsamt, die Gemeinden werden darüber nur informiert. Das Landratsamt kann ein Feuerwerk nur untersagen, wenn es nachweislich zu einer erheblichen Störung führt.

Carsten-Michael Pix vom Deutschen Feuerwehrverband in Berlin sagt: „Wir stehen Feuerwerken bei Hochzeiten nicht negativ gegenüber.“ Doch es müsse auf die Sicherheit geachtet werden: „Feuerwerkskörper können auch auf Gäste oder trockenen Waldboden fallen.“ In Rottach-Egern aber bekommen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr von den Feuerwerken nichts mit. „Wir werden nicht mal informiert“, sagt Kommandant Josef Stadler.

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