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de09.10.2014 Zu viele Feuerwerke: Thüringer sind genervt

In Thüringen gibt es immer mehr private Feuerwerke. Anwohner und Haustierbesitzer sind genervt. Wann ist die Knallerei eigentlich erlaubt?
Weimar/Erfurt.
"Geht das schon wieder los", schimpft die alte Dame und schließt energisch das Fenster. Dann nimmt sie ihre Katze auf den Arm, die sich erschrocken in eine Ecke verzogen hat, und wartet, bis wieder Ruhe einkehrt. Es ist ein Samstagabend in Weimar, kurz vor 22 Uhr. Direkt nacheinander werden an verschiedenen Plätzen der Stadt zwei Feuerwerke entzündet. Eines zum Abschluss des Rummels, für das andere gab es keine offizielle Ankündigung.

Vor allem im Sommer kracht es in den größeren Thüringer Städten oft, was wegen des Lärms gerade Senioren und Haustiere stresst. Deshalb versucht man in Thüringen auch, die private Knallerei zu beschränken. Die Vorschriften wurden im November 2011 noch einmal verschärft: Private Feuerwerke werden demnach nur zu Ereignissen von "großer Seltenheit und/oder von herausgehobener und außergewöhnlicher Bedeutung" genehmigt. Familienfeiern wie Hochzeiten oder runde Geburtstage mögen zwar für die betreffende Familie wichtige Ereignisse sein, "außergewöhnlich oder selten sind sie aber nicht", sagt Uwe Büchner, Sprecher des Sozialministeriums, dem auch das Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz als Genehmigungsbehörde in Suhl zugeordnet ist.

Umweltschutzzonen sind tabu

Geburtstage unter 90 Jahren, aber auch Firmenjubiläen unter 50 Jahren seien kein, wie es heißt, "begründeter Anlass von entsprechender Bedeutung, der zum Erteilen einer Ausnahme vom Abbrennverbot berechtigt". Entsprechend selten wurden in den vergangenen beiden Jahren auch private Kleinfeuerwerke genehmigt: In Erfurt, Gotha und Eisenach war es beispielsweise 2013 nur jeweils eines, während in Jena, Gera und Weimar gar keines erlaubt wurde. Im Jahr davor wurde lediglich in Erfurt und Gotha je eines abgebrannt. Der Großteil der Anträge wird abgelehnt.

Dafür gab es aber reichlich gewerbliche Feuerwerke, wie sie nur von professionellen Pyrotechnikern durchgeführt werden dürfen: allein in Weimar im Vorjahr 45 (2012: 40), in Erfurt 42 (55), in Jena jeweils 29, in Eisenach 13 (11) und in Gera 24 (31). Einzig die Gothaer hielten sich mit der Knallerei im Vergleich dazu zurück: 2013 wurden gerade einmal 8 Feuerwerke entzündet, 2012 nur 7.

Private Feuerwerke müssen - so sie genehmigt werden - spätestens 22.30 Uhr (Sommerzeit) beendet sein, im Mai, Juni und Juli eine halbe Stunde später. In der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Seniorenheimen, aber auch von Fachwerkhäusern und Tankstellen ist das Abbrennen grundsätzlich verboten. Tabu sind auch Umweltschutzzonen, in denen zum Beispiel Vögel brüten. Schließlich erzeugen Feuerwerkskörper Schalldruckpegel von bis zu 150 Dezibel, was in etwa der Lautstärke eines Düsenflugzeugs aus zehn Metern Entfernung entspricht.

Kein Rechtsanspruch auf Genehmigung

Wer als Privatperson ein Feuerwerk abbrennen wollen, muss spätestens zwei Wochen vor dem geplanten Ereignis einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung bei einer der Regionalinspektionen des Thüringer Verbraucherschutzamtes in Erfurt, Gera, Nordhausen und Suhl stellen. Und dort nicht nur Ort und Zeitraum angeben, sondern auch den konkreten Anlass nennen und einen Nachweis dafür vorlegen. Dem Antrag beizufügen ist außerdem das Einverständnis des Grundstücksbesitzers, auf dessen Grund und Boden das Feuerwerk abgebrannt werden soll, eine Erklärung, dass sich der Ort nicht in der Nähe sensibler Gebäude befindet, und der Nachweis, dass eine Haftpflichtversicherung Schäden, die durch das Feuerwerk entstehen können, abdeckt. Uwe Büchner: "Doch selbst wenn alle erforderlichen Papiere vorgelegt werden: Einen Rechtsanspruch auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung gibt es nicht." Wer ein Kleinfeuerwerk ohne Genehmigung entzündet, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße geahndet wird.

Die alte Dame in Weimar hat sich wieder beruhigt, am Himmel verwirbeln gerade die letzten Feuerwerkseffekte. Sie hofft, dass es nun mit dem Einzug des Herbstes wieder ruhiger an den Wochenenden wird und sie und ihr Kätzchen nicht mehr so oft in Angst und Schrecken versetzt werden - so schön die Farbenpracht am Himmel für Feiernde auch sein mag.

Auch viele Naturschützer lehnen Feuerwerke ab: zum einen wegen des Lärms, des grellen Lichts und der entstehenden Feinstaubbelastung, die Mensch und Tier gleichermaßen betrifft, zum anderen aber auch, weil bei Feuerwerk fast immer auch Vögel verletzt oder gar getötet werden.

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