Pyrotechnik ist kein Spielzeug

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at01.12.2014 Pyro-Fälschungen in den österreichischen Handel gelangt

Sie sehen täuschend echt aus und sie können tödlich sein: hochexplosive gefälschte Böller. Und das Fatale daran: Sie sind in den Pyrotechnik-Fachhandel gelangt und betroffene Unternehmer wissen dies gar nicht. Wer so einen Böller sieht oder besitzt, sollte unverzüglich die Polizei rufen. Denn gefälschte Ware ist überaus gefährlich.

Anlass genug für das Innenministerium, die Öffentlichkeit – gerade im Hinblick auf den nahenden Jahreswechsel – zu warnen. Überprüfungen von Fachhändlern laufen.
Über mehrere Jahre wurden diese Sprengsätze illegal exportiert. Über eine zentrale Bezugsstelle sind sie in den Fachhandel gelangt.
„Die gefälschten Böller sind verunreinigt und enthalten große Mengen an Blitzknallsätzen.“ Thomas Csengel vom Entschärfungsdienst des Einsatzkommandos Cobra/DSE

Dass es sich bei der illegalen Produktionsstätte um jene in der Steiermark handelt, wo vor rund 14 Tagen ein Vater (57) und sein Sohn (29) bei einer Explosion ums Leben gekommen sind, wollte Innenministerium-Sprecher Karl-Heinz Grundböck „aufgrund laufender Ermittlungen“, nicht bestätigen. In der Steiermark waren die Ermittler auf rund 6.000 illegal hergestellte Böller gestoßen, 5.000 weitere sollen im Umlauf sein.

Thomas Csengel vom Entschärfungsdienst erklärt, was gefälschte Böller so gefährlich macht: „Sie enthalten große Mengen an Blitzknallsätzen, das brisanter als Schwarzpulver ist.“
Auch die berüchtigten Schweizer-Kracher („Piraten“) enthalten Blitzknallsätze, jedoch lediglich 0,5 Gramm. Eine generelle Aussage, wie viel in den illegalen Böllern verarbeitet wurde, könne man nicht machen, teilweise seien es jedoch „50 bis 100 Gramm“. Zudem gebe es „Hinweise, dass die chemischen Bestandteile möglicherweise verunreinigt sind“.

Daher sind die „Böller nicht handhabungssicher, instabil und sehr sensibel“. Eine Explosion im Nahbereich „kann zu schweren traumatischen bis hin zu tödlichen Verletzungen führen“, sagt Csengel. Wer Knallkörper mit Bezeichnungen wie „Cobra 44“, „Cobra 55“, „Cobra 86“ und „Superböller“ hat, möge unverzüglich die Polizei rufen.

Laut Csengel gibt es „jährlich bundesweit 15 bis 20 Einsätze, wo zu Explosivstoff-Unfällen ausgerückt wird, 10 bis 15 Einsätze entfallen auf den Pyrotechnikbereich.“
Traurige Aktualität hat das Thema Böller durch Fußballprofi Andreas Schicker vom SV Horn: Er verlor durch einen Unfall mit einem Böller am 23. November seine linke Hand und liegt nach wie vor im LKH Graz auf der Intensivstation.

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