Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de03.01.2015 Feinstaub: Der komplette Jahresausstoß in einer Nacht

Die deutsche Politik nimmt die Belastung von Mensch und Umwelt ernst – so erscheint es zunächst aus Sicht der Autofahrer. Gerade durch das Einatmen von Feinstaub drohen erhebliche gesundheitliche Gefahren. Die Partikel gelangen tief in die Atemwege und beeinträchtigen potentiell die Gesundheit.

Und so wurde das Land mit so genannten Umweltzonen übersät, die es Besitzern älterer, aber legal zugelassener Fahrzeuge teilweise unmöglich machen, sich frei zu bewegen. „Bis zu zehn Prozent weniger Feinstaubemissionen“ seien möglich, behauptet das Umweltbundesamt – und fügt wenig präzise hinzu, durch die drakonischen Maßnahmen sei in Zukunft „mit einem Rückgang zu rechnen“.

Eine diesjährige Studie des Österreichischen Vereins für Kraftfahrzeugtechnik (ÖVK) hat sich der Mühe unterzogen, die Feinstaubemissionen durch ein anderes Phänomen zu überprüfen –nämlich durch die zahlreichen Feuerwerke, mit denen ein Teil der Bevölkerung den Jahreswechsel zu begrüßen pflegt. Dabei fiel es den Wissenschaftlern zunächst ausgesprochen schwer, an unabhängiges Datenmaterial zu gelangen: Sowohl die deutschen als auch die österreichischen Behörden arbeiten mit Daten zu Feinstaubemissionen, die ungenau und zu niedrig angesetzt sind. Über weitere Schadstoffe gab es sogar überhaupt keine Informationen. „Der Eindruck, den man gewinnt, ist, dass die notwendigen Untersuchungen nicht durchgeführt werden, um die Folgen von deren Ergebnissen zu vermeiden“, so der ÖVK.

Tatsächlich lassen die Ergebnisse der knapp 80-seitigen Studie aufhorchen: Die Partikelemissionen pyrotechnischer Gegenstände liegen je nach Fahrzeug und Feuerwerksartikel um 100- bis 1000mal höher als die Emissionen eines Dieselmotors; überdies enthalten die Partikel einen Anteil an Schwermetallen wie Blei, Aluminiumstaub und Magnesiumdampf, der teils weit oberhalb der Grenzwerte für Arbeitsstellen liegt und sogar toxische Wirkungen entfalten kann. Die Partikel aus Feuerwerkskörpern werden überdies regelmäßig in Höhen von 40 bis 200 Metern emittiert, von wo sie langsam absinken; sie verbleiben im Vergleich zu Fahrzeugabgasen weitaus länger in der Atmosphäre.

Insgesamt liegen die Partikelemissionen aus Feuerwerken in Deutschland – nämlich fast neun Kilotonnen – auf dem Niveau der Partikelemissionen aller Fahrzeuge, einschließlich Lastwagen und Motorräder. Die reinen Pkw-Emissionen liegen weitaus niedriger. Drastischer formuliert: Innerhalb einer einzigen Nacht werden so viele Partikel in die Atmosphäre gelassen wie durch den gesamten Straßenverkehr innerhalb eines Jahres, angereichert mit toxischen Inhaltsstoffen.

Und so mutet es befremdlich an, dass ausgerechnet der Straßenverkehr weiterhin mit äußerster Schärfe reguliert wird – zumal es auch noch eine soziale Komponente gibt: Die „mittelalterlich anmutenden Zufahrtbeschränkungen“ (ÖVK) durch die besagten Umweltzonen treffen gerade die Besitzer älterer Fahrzeuge empfindlich. Mit fragwürdigem Nutzen: Schon die ständigen Emissionen durch Aufwirbelung und Abrieb, so der ÖVK in einer anderen Studie, liegen mehr als doppelt so hoch wie die Emissionen durch Fahrzeugabgase.

Die Autoindustrie mag für die Politik weiterhin die soziale Funktion des Sündenbocks erfüllen. Doch am Umgang mit Feinstaubemissionen durch Feuerwerke wird sich nach der Studie des ÖVK erweisen, wie ernst es die Politik tatsächlich mit dem Schutz von Mensch und Tier meint.


Jens Meiners
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