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de18.04.2015 Kein Feuerwerk im Oberdorf

Das Zünden von Raketen und Krachern ist eindeutig verboten / Hoffen auf Vernunft der Bürger.

WEIL AM RHEIN-HALTINGEN. Ein Verbot für Silvesterfeuerwerk im Haltinger Oberdorf wird vorerst doch nicht kommen. Doch Freunde von Böllern und Raketen sollten sich nicht zu früh freuen. Ortsvorsteher Michael Gleßner und Jürgen Engler, Abteilungskommandant der Feuerwehr Haltingen, entdeckten bei einem Rundgang im Oberdorf zahlreiche alte Gebäude in Fachwerkbauweise, in deren Umkreis die Sprengstoffverordnung die Knallerei ohnehin verbietet. Aus diesem Grund darf praktisch im gesamten Oberdorf kein Silvesterfeuerwerk gezündet werden.

Der Ortschaftsrat setzte am Donnerstag nach lebhafter Debatte schließlich auf die Vernunft der Bürger. Das Gremium beschloss, zum Jahreswechsel die Bürger im Mitteilungsblatt über die Gefahren aufzuklären. Nur wenn das nichts nützt, wollen die Räte ein Verbot weiter vorantreiben.

Rund 15 Bauern haben laut Jürgen Engler im Haltinger Oberdorf ihren Hof. Seit Jahren fordern sie ein Verbot für Silvesterknaller, weil sie Angst vor Bränden haben. Wie berechtigt ihre Angst ist, zeigten Michael Gleßners Fotos vom Rundgang. Dort waren Scheunen mit Lüftungsöffnungen zu sehen, hinter denen Stroh lagert, offene Hallen mit Holzpaletten und Brennholz sowie historische Gebäude mit Holzfassaden, wie das evangelische Pfarrhaus. Ein Landwirt schilderte, wie die Silvesterknallerei seine Kühe nervös mache und die Qualität der Milch verschlechtere. Jürgen Engler schilderte einen Fall, in dem aufmerksame Bürger an Silvester einen Großbrand gerade noch verhinderten.

Michael Gleßner erläuterte die Rechtslage: Laut Sprengstoffverordnung sei das Zünden von Silvesterfeuerwerk im Umkreis von Kirchen, Einrichtungen wie Pflegeheimen und auch von Fachwerkhäusern grundsätzlich verboten. Zusätzlich könnten Städte und Gemeinden die Knallerei in der Umgebung von besonders brandgefährdeten Gebäuden verbieten. Genau das hatte Ortschaftsrat Stefan Fuchs, der selbst Landwirt ist, schon im Januar gefordert. Seine Ratskollegen unterstützten ihn zunächst. Doch im Laufe der Debatte wuchs ihre Skepsis, ob ein Verbot auch durchzusetzen wäre. Wer solle denn mitten in der Nacht den Buhmann spielen und ein Verbot überwachen, fragte Thomas Bayer: Die Feuerwehr oder sogar die Nachbarn? Kurz zuvor hatte ein Haltinger Bürger berichtet, dass er vor Silvester 2014 seine Nachbarn per Brief gebeten hätte, vor seinem historischen Anwesen keine Raketen zu zünden – übrigens mit Erfolg.

Jürgen Engler wies darauf hin, wie schwierig es wäre, eine Verbotszone abzugrenzen. Wegen des Flugradius der Silvesterraketen müsste man das Abfeuern im Umkreis von 100 Metern um jedes gefährdete Gebäude verbieten. Im Süden von Haltingen müsste man die Zone dann mindestens bis zur Weinbergstraße ausdehnen, meinte er. Klären wollte er auch, ob man nicht auch die denkmalgeschützte Gartenstadt jenseits der Bahngleise einbeziehen müsste.

Schließlich schlugen Eugen Katzenstein, Axel Schiffmann, Stefan Fuchs und weitere Ortschaftsräte vor, die Bürger aufzuklären und auf ihre Vernunft zu setzen. Viele seien sich der Gefahr in der Silvesternacht vermutlich einfach nicht bewusst. OB Wolfgang Dietz bestärkte sie in dieser Haltung.

Ein Feuerwerksverbot durchzusetzen, hielt er für schwierig. Zum einen müsste das dann für ganz Weil geprüft werden, gab er zu bedenken. Auch in Altweil und Ötlingen stünden historische Gebäude, in der ganzen Stadt gebe es Kirchen und andere Gebäude, bei denen kein Silvesterfeuerwerk gezündet werden dürfe.

Er warnte die Ortschaftsräte auch davor, Raketenliebhaber in der Silvesternacht einfach in die Reben zu schicken. Das könne wegen des Vogelschutzgebietes schwierig werden.

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