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de10.06.2015 Feuerwerk beim Unterkirnacher Dorffest entfacht Streit vor Gericht

Feuerwerk beim Unterkirnacher Dorffest entfacht Streit vor Gericht
Nach dem Feuerwerk am Dorffest Unterkirnach regnete Asche auf einige Autos im Hubert-Blessing-Weg und richtete Schaden an. Das Ehepaar Meier klagte nun den Schaden ein, doch sowohl Amtsgericht als auch Gemeinde wiesen die Vorwürfe zurück. Nun kämpfen sie mit einer Berufung vor dem Landesgericht weiter.


Der Vorwurf: Das Feuerwerk wird traditionsgemäß oberhalb des Talsees bei der Streuobstwiese abgefeuert. Zum Haus des Ehepaars sind es in der Luftlinie 170 Meter. Dort parkte vergangenen Juli während des Feuerwerks das Auto der Eheleute. „Seit 1991 wohnen wir hier und haben unser Auto auch während der Feuerwerke immer hier stehen gehabt. Nie ist etwas passiert, bis im letzten Jahr“, erzählt Helena Meier. Das Feuerwerk sei erstmals in Richtung Wohngebiet statt über den Talsee geschossen worden, darüber hätte die Gemeinde die Anwohner informieren müssen, lautet ihr Vorwurf. Auch einige Nachbarn hätten Schäden durch Asche an ihren Autos zu beklagen.Meiers wandten sich an die Gemeinde und der ehemalige Hauptamtsleiter Andreas König riet ihnen, das Auto erst einmal waschen zu lassen. „Doch dann wurde es noch schlimmer, die Frontscheibe wurde ganz milchig und ich konnte nicht mehr zur Arbeit fahren“, so Helena Meier. Sie ließ das Auto reparieren und forderte die entstandenen Kosten von 2200 Euro von der Gemeinde ein. Nachdem diese die Kosten nicht übernehmen wollte, zog das Ehepaar vor das Amtsgericht.

Das Urteil: Doch die Anklage wurde abgewiesen. Die Sicherheitsabstände seien von der Firma eingehalten worden, Meiers wussten vom Feuerwerk und hätten ihr Auto deshalb auf eigene Initiative wegstellen können und das Ehepaar hätte zu lange die Asche auf ihrem Auto belassen und damit zugelassen, dass ihr Lack angegriffen wird – so lautete das Urteil. Die Kläger hätten nicht nachweisen können, dass Gemeinde oder Firma die Verkehrssicherungspflicht verletzt und dadurch die Kosten des Schadens zu tragen haben.

Die Reaktion der Gemeinde: Auch widerspricht Bürgermeister Andreas Braun dem Vorwurf der Eheleute, dass in Richtung Wohngebiet geschossen wurde. „Es wurde nichts anders gemacht, das haben unterschiedliche Gutachten bestätigt“, so Braun. Selbst wenn die Raketen Richtung Wohngebiet geschossen worden wären, hätte die Pyrotechnik-Firma die Sicherheitsabstände eingehalten, lautete das Urteil. 167 Meter bei Windgeschwindigkeiten unter neun Metern pro Sekunde ist die Vorgabe, 170 Meter sind es vom Abschussort zum Haus der Meiers. „Es ist bedauerlich, dass der Schaden entstanden ist. Aber die Firma hat die Verkehrssicherungspflicht und sagte uns, die Abstände sind eingehalten. Wir als Veranstalter wurden in allen Punkten freigesprochen“, kommentiert der Bürgermeister. Auch konnten laut Andreas Braun die Schäden bei den anderen Autos durch Waschen und Polieren entfernt werden.

Die Reaktion der Kläger: Meiers sind enttäuscht von ihrer Gemeinde. „Wir sind doch ihre Bewohner und hätten eine Lösung ohne Gericht finden können“, meint das Ehepaar. Im Moment warten sie noch die Nachricht des Landesgerichts ab.Laut Herbert Maier, dem Rechtsanwalt des Ehepaars, könne die Entscheidung bis zu einem halben Jahr dauern. Er kann nicht verstehen, dass Schäden in der Nähe eines Feuerwerks laut Amtsgericht Villingen zum „allgemeinen Lebensrisiko“ zählen. „Die Asche hätte ja auch Menschen treffen können. Außerdem ist es nicht vertretbar, dass jemand sein Auto vor seinem eigenen Haus aus einem solchen Grund wegstellen muss“, meint der Jurist. Und: „Man muss ein Feuerwerk so abbrennen, dass keine Asche herab fällt und Schaden anrichtet.“

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