Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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at11.06.2015 Die Bevölkerung von Dürrmenz hat die Schnauze voll

Mühlacker. „Die Bevölkerung von Dürrmenz hat die Schnauze voll!“, so die örtliche Stadträtin Karin Münzmay. Wie viel Feuerwerk verträgt eine Stadt? Eine Frage, die in der Debatte im Ratssaal weit über den konkreten Fall hinausreicht.Vordergründig ging es darum, der Christlichen Gemeinde Dürrmenz für ihr Gelände am Ortseingang aus Richtung Pinache ein Fest- und Tagungszentrum zu genehmigen, das es in der Realität längst gibt. Das Areal mit seinem Veranstaltungssaal dient nicht nur religiösen Zwecken, sondern ist auch ein beliebter Schauplatz für Hochzeits- und Familienfeiern. „Der Bedarf ist da“, verwies der Dürrmenzer Stadtrat Rolf Leo (Freie Wähler) auf die gute Auslastung der Anlage, wo die Aktivitäten im Grunde keinen Anlass zur Klage geben – wären die Feuerwerke nicht.Nachdem sich wegen der Häufigkeit der lautstarken Festbeiträge die Beschwerden aus Dürrmenz und Lomersheim häuften, versuchten der Ausschuss für Umwelt und Technik und die Stadtverwaltung, die Gemüter der lärmgeplagten Anwohner über einen neuen Bebauungsplan zu beruhigen. Im Zuge des Verfahrens musste das zuständige Amt allerdings erkennen, dass dieses Mittel ungeeignet ist, die explosive Situation zu entschärfen. „Da es sich hierbei (beim Abbrennen von Feuerwerkskörpern, die Red.) nicht um eine bauliche Nutzung handelt, war die Frage zu klären, ob eine solche spezifische Regelung überhaupt in einem Bebauungsplan geregelt werden kann – dies muss im Ergebnis verneint werden“, heißt es etwas verklausuliert in der Stellungnahme der Behörde.Was also tun, um die sommerlichen Neujahrsnächte, die laut Karin Münzmay gerne auch bis Mitternacht andauern und den Dürrmenzern den Schlaf rauben, einzudämmen? In der Baugenehmigung, erklärte Amtsleiter Armin Dauner, ließen sich Auflagen festzurren – inklusive einer Beschränkung der Anzahl der Feuerwerke. Würden sie als „seltenes Ereignis“ eingestuft, könnten bis zu zehn Termine im Jahr zugelassen werden. Doch Vertreter wie SPD-Stadträtin Münzmay und LMU-Sprecher Köberle („Das ist bezahlter Krach“) plädierten für eine Nulllösung. „Ist das angemessen?“, fragte sich nicht nur Behördenchef Dauner. Immerhin sei nicht auszuschließen, dass der Trauzeuge als Überraschung fürs Brautpaar einen Feuerwerker engagiere – und dagegen seien auch der Grundstückseigentümer und der Pächter der Halle machtlos.„Die Dürrmenzer sind nicht intolerant“, wandte sich Heidemarie Roller gegen den Eindruck, ihre Nachbarn seien auf Friedhofsruhe aus. „Es geht um die Anzahl.“ Wie Ulrich Saur, der Leiter des Ordnungsamts, über den Dürrmenzer Fall hinaus berichtete, werden Privatleuten Feuerwerke für 22 Uhr oder 22.30 Uhr in aller Regel bei runden Geburtstagen über 50 und bei Hochzeiten genehmigt. Schwieriger ist es, wenn professionelle Pyrotechniker engagiert werden: Ihnen die Ausübung ihrer Profession zu untersagen, käme einem Berufsverbot gleich, gab Saur zu bedenken. Profis müssen ihren Einsatz lediglich anzeigen, eine Erlaubnis brauchen sie nicht.Wie die Befürworter einer weniger stringenten Regelung aus Saurs Ausführungen schlussfolgerten, hat die Stadt – zumindest außerhalb des Dürrmenzer Geländes – gar keine wirksame Handhabe gegen Böller unterm Jahr, weshalb Auflagen und Kontrollen wenig Sinn machten. Wenn auf dem Dürrmenzer Gelände Einschränkungen gewünscht seien, müssten die gerechterweise auch für alle anderen gelten, mahnte Wolfgang Buchtala (CDU). Also für alle Hallen und Schauplätze und für alle Gastronomen in der Stadt und ihren Stadtteilen.Sein Fraktionschef Günter Bächle erinnerte daran, dass die Zuständigkeit nicht im Ausschuss, sondern im Rathaus liege. Wobei er seine Weigerung, sich mit fremden Aufgaben zu belasten, mit dem Hinweis versah, man möge „die Kirche im Dorf lassen“, das Gespräch suchen und auf einvernehmliche Lösungen drängen.Zumal, wie es in humorvollen Einwürfen hieß, die dem brisanten Thema ein wenig von seinem Zündstoff nahmen, in privilegierten Ausnahmefällen Feuerwerke sowieso in allgemeinem Einverständnis zugelassen würden; zum Beispiel dann, wenn einer der Söhne des Oberbürgermeisters heirate. Oder aber Stadtrat Rolf Leo.

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