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de20.07.2015 Böller nur ohne Schwarzpulver

Rhein-Berg. Ein Unglück bei einem Schützenfest wie am Samstag im sauerländischen Niedermarsberg könnte in Rhein-Berg nicht passieren: Historische Böllerkanonen sind nach Angaben der Schützenvereine im Kreis unbekannt. In Niedermarsberg war der Schützenkönig beim Festauftakt tödlich von Stücken zweier auseinanderfliegender Böllerkanonen getroffen worden.

Es ist nicht der erste Unfall dieser Art: Im Jahr 2012 hatte es auch in der Region, bei einem Schützenfest in Leverkusen-Schlebusch, einen Unfall mit einem Schwerverletzten gegeben.

„Unser Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen“, erklärt Alexander Neu, Brudermeister der Hubertus-Schützen in Kürten-Olpe. Geböllert werde zwar auch in Olpe – aber nur mit Silvesterkrachern. „Das hat mit Schwarzpulver und ähnlichem überhaupt nichts zu tun.“ Just am Montagabend ließen es die Olper zum Abschluss ihres Königsschießen krachen – ganz ohne Schwarzpulver.

Auch Edgar von Kruedener von der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft im benachbarten Kürten-Offermannsheide kann sich nicht erinnern, dass im Bergischen Land jemals einmal eine historische Kanone abgefeuert worden wäre. „Bei uns waren es immer Luftböller aus einer Schreckschusspistole“, sagt von Kruedener. Weil Pferde und Kühe sich durch den Krach jedoch erschreckt hätten, verzichte man aber auch darauf seit langem.

Von abgefeuerten Silvesterknallern spricht Peter Knoob, Brudermeister der Sebastianus-Bruderschaft in Bergisch Gladbach-Hand. „Zum Start des Schützenfestes wird geknallt. Das war’s dann.“ Früher habe es die Böller auch zur Parade am Sonntag gegeben. „Das hat die Nachbarschaft gestört. Deshalb haben wir Abstand davon genommen.“

Für die Schützen in Kürten-Biesfeld erklärt Geschäftsführer Wilbert Klein, dass derzeit überhaupt nicht geböllert werde: „Wir haben keine ausgebildeten Schützen dafür.“ Falls irgendwann wieder geböllert werde, dann nur mit „Vogelschreck“-Munition, mit der auch an Flughäfen die Vögel vertrieben würden.

„Ein Böllerschießen mit Kanonen kennen wir in Rösrath gar nicht“, sagt Brudermeister Klaus Stöcker von der Rösrather St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft.

Beim jährlichen Schützenfest würden zwar durchaus Böller gezündet, berichtet Klaus Stöcker – beim Besuch auf dem Friedhof und am Ehrenmal, außerdem auf dem Schützenplatz nach Abschluss des Königsschießens. Dafür habe die Schützenbruderschaft aber eine sichere Form gewählt: „Wir haben einen Fachmann von der Feuerwehr, der die Böller loslässt.“

Um eine Kanone abfeuern zu dürfen, betont Alexander Schiele von der Pressestelle der Kreisverwaltung, müsse das Gerät vom Staatlichen Beschussamt geprüft sein. Angehende Kanoniere müssen nach Auskunft von Polizeisprecherin Claudia Kammann eine Unbedenklichkeitsbescheinigung beantragen und anschließend einen staatlich anerkannten Lehrgang im Umgang mit Sprengstoff absolvieren. Die Kreispolizei erteile danach eine sprengstoffrechtliche Erlaubnis.

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