Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de09.11.2015 Verwaltungskosten statt Anzeige

Im folgenden Kommentar zeigt sich das aktuelle Dilemma des Diskurses über Pyrotechnik: Die Exekutive verharmlost. Statt auf den Straftatbestand hinzuweisen und diesen zu ahnden, wird im folgenden Artikel der Sächsischen Zeitung von Verwaltungsaufwand geredet. Ein Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz gefährdet Leben. Eine Verwaltungsstrafe von 250 Euro ist das falsche Signal und mitverantwortlich für die seit Jahren zu beobachtende Eskalation.

Zum großen Knallen wird es gar nicht erst kommen. Zumindest ist der 16-jährige deutsche Schüler, der vor einigen Tagen mit 154 Knallkörpern Marken „La Bomba“ und „FP 3“ aus Tschechien über die deutsche Grenze kam, seine Böller erst einmal los. Und der ganz große Knall steht ihm vermutlich noch bevor. Denn ihm und seinen Eltern dürfte eine saftige Rechnung ins Haus flattern. Frank Barby, Sprecher der Bundespolizeiinspektion Ebersbach, geht von mindestens 250 Euro aus, die für den Polizeieinsatz anfallen könnten.

Dabei geht es nicht darum, dass der junge Mann mit der illegalen, nicht zertifizierten Pyrotechnik aufgegriffen wurde. Sondern um den Aufwand, den die Polizei betreiben muss, um die Knaller zu entsorgen: „Wir dürfen die Pyrotechnik nicht einfach so im Streifenwagen mitnehmen“, erklärt Barby. Für den Transport benötige man eine Extra-Box, die nicht jeder Polizeiwagen immer mit sich führe. Muss also erst ein Fahrzeug mit dieser Ausrüstung angefordert werden, entstehen Kosten, die dem Verursacher berechnet werden.

Außerdem werden die Auslandsböller dann von Experten abgeholt und professionell vernichtet. Auch das kostet Geld. Und auch daran müssen sich diejenigen beteiligen, die für den Aufwand verantwortlich sind. Zusätzlich zu diesen Kosten droht zudem noch eine mögliche Geldstrafe, die bei einem Verfahren verhängt werden kann. Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz ist keine Lappalie.

Ernst sollte man die Sache mit den nicht zugelassenen Knallern aus Tschechien und auch Polen definitiv nehmen, betont Bundespolizist Frank Barby. Denn die Sprengkraft von „La Bomba“ & Co. übersteigen bei Weitem die der deutschen Pyrotechnik. Während man sich zwar mit den stärksten legalen Knallern durchaus Verletzungen oder Verbrennungen zufügen kann, besteht bei den illegalen Polen- und Tschechenböllern durchaus die Gefahr, dass man Gliedmaßen verliert. Barby kennt einen Fall, bei dem eine junge Frau nichtsahnend einen Auslandsknaller gezündet hat. Weil dieser aber nicht richtig funktionierte und zu zeitig in die Luft flog, verlor die junge Frau mehrere Finger.

Damit es in den kommenden Wochen keine derartigen Fälle gibt, mahnen die Bundespolizisten wie jedes Jahr zur Vorsicht. „Früher haben wir das mit Plakaten in Grenznähe gemacht“, sagt er. Jetzt greift die Polizei zum Flyer. „Diese Flyer legen wir beispielsweise in den Gemeinden aus“, sagt Frank Barby. Aber er weiß natürlich, dass auch die neuen Infoblätter so manchen nicht daran hindern werden, jenseits der Grenze billigere Böller mit mehr Kawumm zu kaufen. „Es sind in der Regel Jugendliche und junge Erwachsene und nicht Oma und Opa, die wir aufgreifen“, sagt er. Dass viele alle Warnungen in den Wind schlagen, ist wohl vor allem eine Einstellungsfrage: „Viele denken, solche Unfälle passieren nur denen, die nicht richtig damit umgehen können. Das stimmt aber nicht“, betont der Bundespolizist. Denn oftmals liegt es nicht nur am Übermut der Käufer, sondern an der schlechten Qualität der Pyrotechnik, wenn schwere Unfälle passieren.

Bundespolizist Barby und seine Kollegen rüsten sich jedenfalls schon mal für die kommenden Wochen. Erfahrungsgemäß greifen sie ab Dezember häufiger Käufer auf, die sich mit Böllern auf den Märkten eingedeckt haben. Noch sei die Lage verhältnismäßig ruhig. In den Tagen aber, in denen es auf Silvester zugeht, kontrolliere die Bundespolizei auch gezielt. „Sie müssen davon ausgehen, dass Knaller mit solcher Sprengkraft hierzulande nur als Experte erwerben dürften“, erklärt Frank Barby die Dimension.

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