Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de27.05.2016 Muss es immer gleich ein Feuerwerk sein?

Im Schloss Zabeltitz feiern viele Paare Hochzeit, doch Vogelschützer haben damit immer öfter ein Problem.

Blitz und Donner sind für die Tierwelt nichts Ungewöhnliches. Ein Frühlingsgewitter etwa versetzt sie nicht gleich in Panik. Werden allerdings in unmittelbarer Nähe eines Brutplatzes Feuerwerkskörper gezündet, kann das schlimme Folgen haben. Die Stadt Großenhain hat darauf reagiert. Ihre Polizeiverordnung verbietet von April bis September das Abbrennen von Pyrotechnik in den Parkanlagen. Nicht nur in der Stadt selbst, sondern auch im gesamten Denkmalschutzbereich des Zabeltitzer Barockgartens. Hier kam es zu echten Konflikten, denn Zabeltitz ist ein beliebter Ort für Hochzeitsfeiern.

Der Park liegt am Rande eines wertvollen Naturschutzgebietes und mitten in einer stark beflogenen Vogelzug-Route. Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet hier, die Vögel während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungs- und Wanderungszeiten erheblich zu stören. Das Verbot gilt auch im Siedlungsbereich.

Seit 2005 kein Storchennachwuchs

„Feuerwerkslärm ist sicher nicht die Hauptursache dafür, dass es für die Weißstörche in der Röderregion immer schwieriger wird“, erklärt der Zabeltitzer Vogelschützer Peter Reuße. „Aber ein Christbaum überm Storchennest erschreckt die Tiere natürlich, sodass sie im nächsten Jahr möglicherweise nicht wiederkommen.“ Gerade Zabeltitz ist dafür ein warnendes Beispiel. Über Jahrzehnte zogen die Weißstörche mitten im Ort ununterbrochen Junge auf. Im Jahr 2005 war damit Schluss, und seitdem hat kein einziges Paar das Nest mehr angenommen.

Im benachbarten Görzig hingegen gibt es fast jedes Jahr Nachwuchs. Der Storchenhorst im Garten von Familie Marth ist eine Attraktion. Wenn die Jungvögel im Sommer beringt werden, wird hier ein kleines Volksfest gefeiert. Ohne Böller und ohne Feuerwerk. Selbst die Biertrinker vermeiden es, einander allzu laut zuzuprosten, und die Kinder verfolgen die Aktion in ehrfurchtsvoller Stille. Aber auch in Görzig läuft nicht alles problemlos. Hier sind zwar in diesem Jahr sage und schreibe fünf Storchenküken geschlüpft, aber zwei von ihnen fand Mattias Marth bereits tot unter dem Nest. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Storcheneltern bei Nahrungsmangel die schwächsten ihrer Kinder opfern, damit die anderen durchkommen.

„Die Futtersuche wird durch die intensiv betriebene Landwirtschaft immer schwieriger“, sagt Peter Reuße. „Mussten die Störche früher im Schnitt drei Kilometer fliegen, um ihre Jungen zu versorgen, sind es heute schon zehn.“ Werden sie dann noch gestört, verbrauchen die Tiere zusätzlich Energie, die ihnen für die erfolgreiche Aufzucht des Nachwuchses fehlt.

Auch wenn sie nicht gleich mit Paragrafen winken, so appellieren die Naturschützer in der Großenhainer Pflege doch an alle Feierwilligen, auf Feuerwerke möglichst zu verzichten. „Muss es denn bei jedem Kindergeburtstag krachen?“, fragt Nabu-Regionalchef Lutz Runge. „Und das noch in Dörfern, wo auf dem Nachbargrundstück Störche brüten?“ Besser sei es, den Kindern Verständnis für die Natur zu vermitteln, indem man die Böllerei einfach weglässt.

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