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Stille Nacht

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ch30.07.2016 Menschen feiern, Vögel flüchten

Hoher Wellengang und Wind: Dar­auf würden die Meilemer Schwäne und Enten für Montag hoffen, wenn sie vom Programm für die Bundesfeier in der See­gemeinde wüssten. Denn dann entfiele das Feuerwerk auf dem See, wie die Ausschreibung zu dem Fest festhält. Und die Wasservögel könnten den Tag in Ruhe begehen – Ruhe, die sie in dieser Zeit des Jahres dringend nötig hätten.

Die Knaller, die die Lichtkunstwerke am Nachthimmel begleiten, stellen für die Tiere grosse Störungen dar, die zu gravierenden Folgen führen können. Das jedenfalls besagt eine Studie der Schweizerischen Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz, die diese Woche erschienen ist.

Ernüchterung nach Silvester

Der Zürcher Ornithologe Martin Weggler untersucht darin unter anderem die Auswirkungen der Feuerwerke im Nachgang zum Silvesterzauber in der Lim­mat­stadt. Am Neujahrstag 2015 konnte er im Vergleich zum Vortag am unteren Zürichseebecken nur gerade zwei Drittel des Bestandes an Lachmöwen, Stock- und Reiherenten zählen.

Dies erstaunte den Vogelforscher umso mehr, als dass die ­betreffenden Wasservögel sogenannte Kulturfolger sind. An die Aktivitäten der Menschen haben sie sich weitgehend gewöhnt – doch das Feuerwerk sei offenbar auch für die störungstoleranten Wasservögel zu viel gewesen.

Die Vögel, die während der Knallerei zum Jahreswechsel das Weite gesucht hatten, kamen gemäss der Studie in den folgenden drei Tagen wieder zurück. Die bevorstehenden Feuerwerke zum 1.?August könnten indes etwa für Haubentaucher und Reiherenten weitaus einschneidende Folgen mit sich bringen. Denn just in dieser Zeit haben sie Junge.

Panik im Schilfgürtel

«Wir vermuten, dass junge Wasservögel besonders gefährdet sind und zum Beispiel von Hechten gefressen werden, wenn sie nach Störungen durch Feuerwerk von ihren Eltern getrennt schwimmen», schreibt Weggler im Bericht. Kolbenente und Höckerschwan mausern sich derzeit und seien dadurch teilweise flugunfähig.

Stefan Werner, ein weiterer Autor der Studie, hatte während eines Feuerwerks am Bodensee die Reaktion der Wasservögel mit einem Nachtsichtgerät verfolgt. Dabei beobachtete er, dass die im Fliegen handicapierten Höckerschwäne panisch versuchten, ins dichte Schilfgebiet zu entkommen. Das sei eine Stresssituation, die das Immunsystem der Tiere stark schwächen und so mitunter gar zum Tod führen könne.

Kilometerweit zu hören

Wenn am Montag der See ruhig bleibt und das Meilemer Feuerwerk die Menschen erfreut, ist es den eingangs erwähnten Schwänen und Enten jedoch nicht möglich, weit weg zu fliehen. Auch gegenüber, in Horgen, ist ein solches geplant. Und selbst wenn nur ein einziges Feuerwerk stattfände – gestört würden die Tiere auch dann. Sie nehmen die Knaller kilometerweit wahr. Weniger problematisch seien aus Sicht des Naturschutzes die Lichteffekte, heisst es in der Studie. Deshalb empfiehlt sie als Kompromiss zwischen Tierschutz und menschlicher Festaktivität, möglichst wenig Böller zu verwenden. (Zürichsee-Zeitung)

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