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de05.01.2017 Haftstrafe nach Sprengungen mit "Polen-Böllern"

Ahrensburg. "Irgendwie sind wir auf diese dumme Idee gekommen", sagt der Angeklagte Peter M. (Namen geändert) auf Nachfrage von Richter Ulf Thiele. Die "dumme Idee", das war in diesem Fall das Sprengen von zwei Zigarettenautomaten in Hammoor in der Nacht zum 15. September 2015 und das Stehlen von Zigaretten und Münzgeld aus den Apparaten. Deswegen wurden M. und sein Kumpel Fritz T. am Donnerstag wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, Verstosses gegen das Sprengstoffgesetz und schweren Diebstahls vom Schöffengericht des Amtsgerichts Ahrensburg verurteilt.

Peter M. hatte dabei noch Glück, seine Freiheitsstrafe von einem Jahr setzte das Gericht zur Bewährung aus. Der 24-Jährige darf sich nun vier Jahre lang nichts mehr zu schulden kommen lassen. Sein 26 Jahre alter Mitangeklagter Fritz T. muss dagegen für ein Jahr und vier Monate ins Gefängnis.

Die beiden Angeklagten aus Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern legten gleich nach Verlesung der Anklageschrift jeweils ein Geständnis ab. Demnach haben M. und T. am 15. September 2015 in Hammoor erst um etwa 1.30 Uhr einen Zigarettenautomaten an der Straße Kamp und dann um 2.15 Uhr einen Automaten am Gerkenfelder Weg/Ecke Alte Dorfstraße gesprengt. Zum Sprengen verwendeten sie jeweils einen sogenannten "Polen-Böller", einen Böller mit stärkerer Sprengkraft als die sonst übliche, frei verkäufliche Pyrotechnik. In Deutschland sind ihr Verkauf und ihre Verwendung verboten, sie können jedoch im Internet erworben werden.

Die Böller waren im Auto, als M. und T. zusammen mit der Schwester von Fritz T. und einer gemeinsamen Freundin am Tattag von Wolgast nach Hamburg fuhren. Laut M. hätten sie überlegt, was man mit den Böllern machen könne, T. seien dann die Zigarettenautomaten in Hammoor eingefallen, die er von einem früheren Aufenthalt dort kannte.

Beide Angeklagte sind wegen diverser Delikte vorbestraft

Aus den gesprengten Automaten stahlen die Angeklagten Zigaretten und Geld, beim zweiten Apparat halfen die beiden Frauen beim Einsammeln. Der Betreiberfirma entstand ein Schaden von rund 5300 Euro. Nach der zweiten Sprengung wurden M. und T. von der durch eine Anwohnerin alarmierten Polizei am Tatort festgenommen. Die Staatsanwaltschaft forderte für beide Angeklagte jeweils eine Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten. Die beiden Verteidiger plädierten für Bewährungsstrafen.

Das Schöffengericht wertete die Geständnisse von M. und T. als glaubhaft. Beim Strafmaß spielte vor allem ihr Vorstrafenregister eine Rolle. Beide verbüßten bereits Jugendstrafen von drei Jahren, Peter M. unter anderem wegen Diebstählen und gewerbsmäßigen Betruges, Fritz T. wegen gefährlicher Körperverletzung, Raubes und Computerbetruges. Zu Lasten von T. wertete das Gericht, dass er bis in 2016 hinein straffällig war und eigenmächtig den Kontakt mit seinem Bewährungshelfer abgebrochen hatte. "Eine erneute Bewährungsstrafe hätte sie nicht beeindruckt", sagte Richter Thiele bei der Urteilsverkündung.

Demgegenüber sah das Gericht bei Peter M einen "positiven Entwicklungsschub". Er war vor den nun verhandelten Taten zuletzt 2012 straffällig geworden und arbeitet inzwischen als Chefkoch. Daher verhängten die Richter gegen ihn noch eine Bewährungsstrafe.

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