Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de22.01.2018 Feuerwerk in einer ganz normalen Nacht und die Polizei griff nicht ein

Warum gilt das Böllern und Raketenschießen übers Jahr schon als normal, auch wenn es allen Nachbarn den Schlaf raubt?

Ginge es nach unseren Gesetzen, müsste die Hauptstadt picobello in Ordnung sein: Auf Bahnhöfen würde nicht geraucht, Hundekot würde eingesammelt, Parker auf Radwegen würden abgeschleppt und nachts herrschte Ruhe. Schön wär‘s.

In den Familienhaus-Siedlungen am nördlichen Stadtrand ist es in Mode gekommen, Feiern oder Sportergebnisse lautstark auch in der Zeit der Nachtruhe zu begehen. Vor einigen Wochen schlug mal wieder ein Anwohner über die Stränge, ließ bis weit nach Mitternacht die Scheiben meines Häuschens in seinem Schlagermove klirren. Ich rief die Polizei. Als die Beamten eintrafen, hatte der Feiernde die Musik zwar etwas leiser gedreht.

Ich bat die Polizisten dennoch ins Haus, um ihnen den Lärm zu demonstrieren. Führte sie im Obergeschoss zum geschlossenen Fenster, durch das nicht nur die Bässe der Schlager sondern auch das minutenlange Knallen eines Feuerwerks deutlich zu hören waren. Einer der Beamten sagte, das sei ja nur ein Feuerwerk. Meine Frage, ob dieses denn genehmigt sei, verneinte er. Damit war für ihn die Sache erledigt. Verdattert ließ man mich stehen.

Nur ein Feuerwerk? Nach dem Berliner Sprengstoffgesetz dürfen Feuerwerkskörper ausschließlich in der Silvesternacht von 18 bis 7 Uhr gezündet werden. Andernfalls kostet das bis 10.000 Euro Bußgeld. Und unser Immissionsschutzgesetz droht bei Verstößen gegen den Lärmschutz zwischen 22 und 6 Uhr und an Sonn- und Feiertagen sogar mit Strafen bis zu 30.000 Euro.

Polizeibeamte zählen zu meinen guten Bekannten. Natürlich kann die Polizei nicht bei allen illegalen Feuerwerken ermitteln, dafür gibt es zu wenige Beamte. Aber auch dann nicht, wenn die Polizisten selbst Zeuge werden?

Kein Wunder, dass Böllern und Raketenschießen übers Jahr schon als normal gilt, auch wenn es allen Nachbarn den Schlaf raubt.


Mathias Heller
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