Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de28.08.2018 Manche sind gleicher

Bei zahlreichen Volksfesten sind in diesem Sommer die Feuerwerke ausgefallen – wegen der Gefahr, einen Brand auszulösen, sagten die Veranstalter die knalligen Spektakel ab. So auch beim Königsteiner Burgfest. Um so überraschter waren manche Bürger in der Taunusstadt, dass am gleichen Wochenende bei einer privaten Feier im Park des Nobelhotels Villa Rothschild ein Feuerwerk gezündet wurde. Und wenige Tage später ein weiteres.

In den sozialen Netzwerken machten daraufhin einige Königsteiner ihrem Ärger Luft. „Ohne Worte“ schreibt eine Userin, ein anderer mutmaßt: „Alle sind gleich, aber manche sind gleicher.“ Auch die Frage nach der Verantwortung der Stadt und von Bürgermeister Leonard Helm (CDU) kam auf.

Der mischte sich auch persönlich in den Dialog ein, musste aber zugeben, dass die Stadt nur wenig Handhabe hat. „Es gibt nur eine Anzeigepflicht“, bestätigt der Leiter des Ordnungsamtes, Patrick Billert. Voraussetzung ist allerdings, dass das Feuerwerk von einer Fachfirma gezündet wird. Im Falle der beiden Hotels Villa Rothschild und Falkenstein ist das die AW Pyrotechnik aus Weinheim.

Wobei nicht die Hotels das Unternehmen beauftragten, sondern die Gäste direkt einen entsprechenden Vertrag abschlössen, erklärt Steffen Eisermann, der sich als Generalmanager um die beiden Königsteiner Luxusdomizile kümmert. Pro Jahr kämen auf diese Weise rund 20 Feuerwerke zustande.

2018 waren es bislang 15, teilt Andreas Wollenschläger von AW Pyrotechnik mit. Wichtig sei aber, zwischen Großfeuerwerken und sogenannten Illuminationen zu unterscheiden. Denn seit in den Taunuswäldern Waldbrandgefahr herrsche, verzichte man bewusst auf echte Feuerwerke, bei denen Temperaturen von bis zu 1500 Grad entstehen und es zu Funkenflug kommen könne.

Man biete Hochzeitspaaren und anderen Interessenten derzeit ausschließlich kleinere Pyroshows an, wie sie auch in geschlossenen Räumen erlaubt sind – etwa auf Konzertbühnen oder in Opernhäusern. Bei diesen „kalten Feuerwerken“ fliegen keine echten Funken, auch wenn es so aussehe, und die Temperatur sei auf 30 bis 40 Grad begrenzt.

„Die Kunden haben dafür Verständnis“, sagt Wollenschläger. In fünf Fällen sei es gelungen, ihnen die Illuminationen schmackhaft zu machen, lediglich in zwei Fällen hätten die Paare ganz auf den Feuerzauber verzichtet. Für den kommenden Freitag ist bereits das nächste Feuerwerk im Park der Villa Rothschild angekündigt, los geht es um 21.45 Uhr. Auch dabei handele es sich um eine Illumination, versichert Wollenschläger. Ohnehin werde man für den Rest des Jahres komplett auf Großfeuerwerke verzichten, betont Lars Leyendecker, der für die Hotels der Broermann-Gruppe zuständig ist, zu denen die beiden Königsteiner Domizile gehören. Offenbar gehe es dabei für viele Menschen um ein sehr emotionales Thema. „Und wir wollen auch die Bürger zufriedenstellen.“

Beschwerden gebe es nicht nur wegen der vermeintlichen Waldbrandgefahr, teilt Bürgermeister Helm mit, sondern auch wegen des Lärms, den die Feuerwerke verursachen, etwa von Hundebesitzern. Auch darüber mache man sich Gedanken, versichert Andreas Wollenweber. So vermeide AW Pyrotechnik inzwischen Pfeiftöne, die für Hunde besonders unangenehm seien.

Ohnehin seien Feuerwerke in den vergangenen Jahren deutlich leiser geworden. Inzwischen mache seine Firma sogar ganz geräuschfreie Angebote. Wobei man lediglich auf eine europäische Tradition zurückgreife – ähnlich wie im Barock oder Rokoko werden diese Feuerwerke musikalisch untermalt.


Thorsten Weigelt
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