Pyrotechnik ist kein Spielzeug

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de17.09.2018 Hochzeits-Feuerwerk sorgt für Krach

DREIBERGEN Ein Hochzeits-Feuerwerk sorgte am 8. September für Krach in Dreibergen – und dass nicht nur wegen der lauten Böller.

Beim Verein für Heimatpflege in Bad Zwischenahn als Besitzer des Fährkroogs und bei anderen Besitzern von Reetdachhäusern in Dreibergen herrscht seit besagtem Samstag helle Aufregung. Am Abend wurde während einer Hochzeitsfeier auf der Wiese vor dem 53-Grad-Hotel in Dreibergen ein Feuerwerk abgebrannt – von einem Pyrotechniker.

Schon vor der Zündung der ersten Rakete gab es Ärger, wie Anlieger Gerd Renken berichtet. Der Zugang zum Fährkroog und zum Bootsanleger sei mit Absperrband versperrt gewesen. Ein Mitarbeiter der Feuerwerksfirma habe ihm rüde den Durchgang verwehrt, so Renken.

Die Raketen des kurz darauf gezündeten Feuerwerks seien dann direkt über dem Fährkroog und auch über seinem eigenen reetgedeckten Haus explodiert, so Renken. Nicht nur angesichts der langen Trockenheit habe eine erhöhte Brandgefahr bestanden. Renken hat sich beim Landkreis Ammerland beschwert und eindringlich gefordert, hier keine Feuerwerke mehr zu erlauben.

Auch der Verein für Heimatpflege hat reagiert. Der Verein hat ebenfalls an den Kreis, an die Gemeinde und die Leitung des Hotels geschrieben. „Teile der Feuerwerkskörper lagen später auf dem Parkplatz beim Fährkroog“, so Klaas Düring, der Vorsitzende des Vereins. Auch für ihn steht fest – ein solches Feuerwerk darf es nicht noch einmal geben.

Ob es überhaupt eines hätte geben dürfen, ist zumindest unklar. Der Pyrotechniker, so Bürgeramts-Leiter Timo Tapken, hätte sein Feuerwerk im Vorfeld bei der Gemeinde anzeigen müssen. Dabei hätte er auch Abstände zu gefährdeten Gebäuden und Sicherungsmaßnahmen erläutern müssen. Das sei aber nicht geschehen. Jetzt müsse im Nachhinein geklärt werden, ob die nötigen Sicherheitsabstände eingehalten wurden. Ob das überhaupt möglich ist, ist aber zweifelhaft. Auch dass der Unternehmer offenbar ohne Absprache mit der Gemeinde Wege abgesperrt habe, interessiert die Verwaltung.

Beim Landkreis Ammerland hat sich der Pyrotechniker allerdings vorab gemeldet, das bestätigt Andrea Hauschke vom Amt für Umwelt und Wasserwirtschaft. Der Kreis habe wegen der Nähe zum Naturschutzgebiet besondere Vorschriften erlassen. Erlaubt gewesen sei aus Sicht des Landkreises allenfalls ein stilles oder geräuscharmes Feuerwerk mit Effekten am Boden. Alle regulären Vorschriften müsse der Pyrotechniker ohnehin kennen und einhalten, so Hauschke. Nach den ihr vorliegenden Beschreibungen habe das Feuerwerk allerdings nicht einmal den weitergehenden Vorschriften des Landkreises entsprochen, so Hauschke. Auch von Seiten des Landkreises werde es deshalb ein Gespräch mit dem Pyrotechniker geben. Auch das zuständige Gewerbeaufsichtsamt könnte eingeschaltet werden.

Auf Nachfrage der NWZ erklärte Birgit Kolb Binder, Inhaberin des Hotels, sie bedauere den Vorfall sehr. Der vom Bräutigam für den Abend engagierte Pyrotechniker habe eine Genehmigung vorgelegt und erklärt, er halte alle Abstände und Vorschriften ein. Darauf habe sich das Hotel verlassen. „Wir sind ja keine Pyrotechniker“, so Kolb Binder. Sollte sich herausstellen, dass die Abstände nicht eingehalten werden könnten, werde es selbstverständlich keine Feuerwerke mehr auf der Wiese des Hotels geben.


Christian Quapp
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