Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

32 Vereine 2869 Unterschriften 2263 Vorfälle 572 Fortschritte

 

de08.09.2017 Initiative gegen Feuerwerke: Harter Kampf, kaum Erfolge

Seit zwei Jahren kämpft eine Initiative am Tegernsee beharrlich gegen die privaten Feuerwerke am See. Doch der Erfolg ist überschaubar. Die Knallerei nimmt eher zu als ab. Das ist auch der Eindruck eines Pyrotechnikers.

Tegernseer Tal – „Der Widerstand“, sagt Angela Brogsitter-Finck, „kann nur aus der Bevölkerung heraus kommen“. Die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) war im Sommer vor zwei Jahren eine der Mitbegründerinnen einer Initiative, die sich dem Kampf gegen die Feuerwerke am Tegernsee verschrieben hat. Dabei geht es in erster Linie um die private Knallerei, die zur Hochsaison beinahe an jedem Wochenende das Tal erschüttert. Und es werden eher mehr als weniger, glaubt die SGT-Vorsitzende: „Die wohlhabende Klientel denkt einfach, dass zu jedem ihrer Festen – ob Geburtstag oder Scheidung – ein Feuerwerk dazu gehört.“

Die Initiative „Stoppt Feuerwerke“ setzt daher auf Aufklärung. Und wird nicht müde zu betonen, wie schädlich der Feinstaub und der Lärm für die Natur und die Tierwelt sind. „Wir sind hier in heilklimatischen Kurorten, das ist doch inkonsequent“, moniert Brogsitter-Finck, die in der Initiative etwa zwölf Mitstreiter um sich geschart hat. Dank eines „großzügigen Unterstützers“ aus Rottach kann die Truppe demnächst sogar ein Faltblatt herausbringen. Darin werde man noch einmal auf die Belastung und die Gefahren für Mensch, Tier und Umwelt durch die Feuerwerke hinweisen, sagt die SGT-Vorsitzende.

Nach Ansicht der Initiative ist längst ein Umdenken erforderlich – zumindest in den Rathäusern hat das zum Teil inzwischen stattgefunden. So hat sich beispielsweise die Gemeinde Rottach-Egern dazu entschieden, bei ihrem Winter-Seefest künftig komplett auf ein Feuerwerk zu verzichten. Schon bei der jüngsten Ausgabe im Februar dieses Jahres war die Böllerei mit Rücksicht auf die Vogelwelt nur in eingedampfter Form über die Bühne gegangen.

Und auch die Stadt Tegernsee hat heuer im Frühjahr ein Zeichen gesetzt. Der Stadtrat beschloss, private Kleinfeuerwerke der Kategorie 2 (sie obliegen der Genehmigung durch die Kommunen) grundsätzlich nicht mehr zu erlauben. Auf der anderen Seite sind sich die Verantwortlichen im Tal aber auch einig: An den drei Brillantfeuerwerken anlässlich der Seefeste wird nicht gerüttelt.

Verantwortlich für diese drei Großfeuerwerke ist seit vielen Jahren Pyrotechniker Peter Sauer, der eine alteingesessene Kunstfeuerwerk-Fabrik bei Augsburg betreibt. Auch er bestätigt den Eindruck, dass die Anfragen für private Feuerwerke zugenommen haben. Vor allem in Ferienregionen wie dem Tegernsee, wo eben auch viele Jubiläen und Hochzeiten gefeiert werden.

„Die Leute träumen da von großen Hochfeuerwerken, die man der Allgemeinheit aber oft gar nicht zumuten kann“, berichtet Sauer. Er weise private Kunden bei solchen Anfragen von vornherein darauf hin, dass sie mit Einsprüchen und Auflagen seitens der Behörden zu rechnen hätten. „Dann springen viele auch wieder ab“, sagt der Unternehmer. Am Tegernsee habe er bisher jedenfalls viel mehr private Feuerwerks-Wünsche abgelehnt als durchgeführt.

Fakt ist: Das Abbrennen von Mittel- und Großfeuerwerken ist per Gesetz geregelt und grundsätzlich erlaubt. „Allerdings wird jeder Einzelfall geprüft“, erklärt Sauer. So spiele etwa der Naturschutz eine nicht unerhebliche Rolle. Über diesen „Hebel“ könne das Landratsamt durchaus Auflagen und Einschränkungen erlassen, erläutert der Pyrotechniker. Er selbst mache einen klaren Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Feuerwerken wie etwa bei Volksfesten. „Wenn die Allgemeinheit der Adressat ist, hat das schon ein anderes Gewicht“, findet Sauer.

Und was ist mit den immer wieder geforderten Alternativen zur herkömmlichen Knallerei? Den lautlosen oder zumindest leisen Feuerwerken? Da zeigt sich der Fachmann skeptisch. „Den Lärm bringt man technisch nicht ganz raus“, meint Sauer. „Und leise bedeutet eben auch immer unscheinbar.“


Gabi Werner
linklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklinklink