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de08.12.2018 Tiere leiden unter unserer Rücksichtslosigkeit

KOMMENTAR. Wenn wir uns zum Jahreswechsel bier- und sektselig in die Arme fallen, die ein oder andere Zündschnur in Brand setzen oder uns einfach nur am glänzenden Lichterspiel am Nachthimmel erfreuen, dann gibt es auch Geschöpfe, die sich in diesem Moment ganz anders fühlen. Tiere. Haustiere, Wildtiere und ganz besonders jene Tiere, die in Tierheimen und Pflegestationen leben. Ihnen bereitet der Mensch mit seinem Geböller keine Freude, sondern Angst und Panik.

Gerhard Schoberth von der Tierrettung Bayreuth engagiert sich in der Vogelauffangstation am Lindenhof. Jahr für Jahr, so sagt er, muss er mit ansehen, wie sich die wilden Vögel dort in der Silvesternacht verletzen, weil sie panisch auf das Feuerwerk reagieren. Wochen-, teils monatelange Pflege werde damit zunichte gemacht.

Da will der Tierschützer nicht länger tatenlos zuschauen und fordert den Stadtrat nun auf, sich mit einem Verbot zu befassen. In bestimmten Bereichen der Stadt – rund um den Lindenhof, das Tierheim und den Tierpark Röhrensee zum Beispiel – soll künftig nicht mehr geböllert werden dürfen. Auch über Bannmeilen rund um Hospize und Altenpflegeheime solle diskutiert werden, fordert Schoberth, der in dem ungesteuerten Feuerwerk zu Neujahr nicht alleine ein Problem für den Tierschutz sieht.

Wird der Stadtrat sich des Themas annehmen?

Recht hat er. Nicht unbedingt mit der Forderung, dass Bannmeilen mit einem Radius von 1,5 Kilometern eingerichtet werden sollen. Denn wenn man konsequent um jede Tierschutzeinrichtung, jedes Altenheim und jedes Krankenhaus einen solchen Bannkreis ziehen würde, dann käme das für Bayreuth wohl einem Komplettverbot von Feuerwerk zum Jahreswechsel gleich. Aber man sollte über das Anliegen diskutieren, das sich hinter der Forderung des Tierschützers verbirgt: Rücksichtnahme auf jene, die unter dem Krach leiden und sich dem nicht entziehen können.

Der Mensch sorgt zum Jahreswechsel nur aus einem einzigen Grund mit Raketen, Böllern und Feuerwerksbatterien für einen Höllenlärm: für die persönliche Belustigung. Nichts anderes steckt dahinter. Und das ist auch in Ordnung. Das Leben muss Raum für Spaß und Freude bieten. Aber wo andere unter unserer Feierlaune leiden, müssen Kompromisse her.


Moritz Kircher
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