Pyrotechnik ist kein Spielzeug

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de03.01.2018 Bereitet der Böllerei endlich ein Ende!

Der Deutsche liebt die Sauf-, Ras- und Knallfreiheit. Spaß muss sein, koste es, was es wolle. Warum aus dem Barbar endlich ein Bürger werden muss. Ein Kommentar.

Der Deutsche liebt seine Freiheiten. Ganz oben auf seiner Liste stehen die Sauf-, Ras- und Böllerfreiheit. Ob beim Vatertag, auf den Autobahnen oder an den Tagen rund um Silvester: Deutsch ist, wer Exzessen frönt. Amerikaner dürfen Waffen tragen, wir zum Ausgleich aus allem eine Waffe machen, was keine ist. Aus Alkohol, schnellen Autos, Raketen und Böllern. Und die Politik? Sie nimmt das billigend in Kauf. Sie hat Angst vor dem Furor der Massen, sollte sie Einschränkungen dieser Freiheiten erwägen oder an Gesetzesinitiativen basteln. Das Label „Verbotspartei“ kann, wie das Beispiel der Grünen gelehrt hat, ruf- und imageschädigend sein.

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In einem Gastbeitrag für „Zeit“-Online hat Christopher Lauer soeben eine Bilanz der diesjährigen „Böllerfestspiele“ gezogen. Zwei tote Männer in Brandenburg, Amputationen, Hörschäden, Augenlicht-Verlust, allein in Berlin wurden 57 Angriffe auf Polizei und Feuerwehren verübt, 5000 Tonnen Feinstaub gelangten in die Luft, das sind rund 17 Prozent der Menge, die jedes Jahr im Straßenverkehr freigesetzt wird.

Nicht als genaue Größe in der Bilanz enthalten ist das Ausmaß an Tierquälerei für Vögel, Pferde, Katzen und Hunde, an Retraumatisierungsfolgen für Geflüchtete, an Panikattacken für jene, die etwa in Wedding oder Kreuzberg zur falschen Zeit am falschen Ort standen, an Hausbränden und Müllbeseitigung. „Es wäre an der Zeit, das private Böllern zu verbieten oder zumindest deutlich einzuschränken“, schreibt Lauer. Das könne jede Stadt für sich tun, per ordnungsrechtlicher Allgemeinverfügung.

Bereitet diesem Wahnsinn endlich ein Ende! Diese Forderung wird zwar, wie stets, verhallen, dennoch bleibt sie richtig. Nötig ist zweierlei. Zum einen muss auf die Einhaltung bestehender Gesetze gedrungen werden. Schon jetzt heißt es in der Ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz: „Das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern ist verboten.“ Einige Kommunen haben das Verbot auf die Gegend rund um Flüchtlingsunterkünfte ausgeweitet. Außerdem gelten relativ strenge Böllerzeiten, in der Regel vom 31. Dezember, 18 Uhr, bis 1. Januar, 1 Uhr.


Malte Lehming
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