Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de26.07.2010 Wer derzeit Böller zünden will, braucht eine amtliche Erlaubnis – viele halten sich nicht daran

Raketen über Borgsdorf, Kanonenschläge in Neuholland, Funkenregen in Oranienburg – im Landkreis Oberhavel knallt es zu allen Gelegenheiten, das ganze Jahr über. Für empfindsame Menschen und Tiere ist das Feuerwerk ein Graus – und strikt verboten.

Denn schon das Abfeuern der kleinsten Freudenrakete ist derzeit strafbar: Pyrotechnische Gegenstände der Kategorie 2 – Silvesterfeuerwerk – dürfen nur am 31. Dezember und am 1. Januar ohne Genehmigung gezündet werden. Das schreibt die Erste Verordnung zum Sprengstoffgesetz vor, die den Umgang mit Feuerwerkskörpern regelt. Die Störung der nächtlichen Ruhe ist dabei das geringste Problem. „Das Schlimmste, was bei unsachgemäßem Umgang passieren kann“, sagt Ordnungsamtsleiterin Sylvia Holm, „ist eine Gefährdung von Leib und Leben.“

Bundesweit kommt es immer wieder zu solchen Unglücksfällen. Ende Juni erlitten drei Menschen in Berlin-Hellersdorf ein Knalltrauma, weil ein 23-Jähriger einen Feuerwerkskörper vor einer Gaststätte hatte explodieren lassen. Mitte Juli musste der Zugverkehr bei Braunschweig unterbrochen werden: Der Bahndamm brannte – dank des Knallers eines 17-Jährigen.

In Oranienburg hat sich in den vergangenen Jahren kein solcher Fall ereignet. Man zeigt sich tolerant: Beschwerden hat es in diesem Jahr noch nicht gegeben, 2009 leitete das Ordnungsamt ein Bußgeldverfahren ein, jährlich sind es im Schnitt zwei. Wer sich beim unerlaubten Böllern erwischen lässt, muss mit einer Geldstrafe von maximal 5000 Euro rechnen. Zuständig sind die Kommunen. Die Polizei wird erst tätig, wenn eine Rakete beispielsweise in einem Eingang Schaden anrichtet, sagt Polizei-Sprecherin Ulrike Glanz. Anzeigen hat es in diesem Jahr im Schutzbereich aber noch nicht gegeben.

Auch Klaus Cupl hat sich bislang nicht von gelegentlich aufsteigenden Raketen stören lassen. „Das passiert“, sagt der Vorsitzende des Kleingartenvereins Eintracht Orania am Grabenweg. In den Vereins-Parzellen aber soll es selbst zur Fußball-WM friedlich zugegangen sein. Das Feuerwerk zur 100-Jahr-Feier im Juli 2007 war angemeldet.

14 Tage vor dem Termin sollte man sich dafür ans Ordnungsamt wenden. Je nach Art und Umfang des Feuerwerks kostet die Erlaubnis zwischen zehn und 102 Euro, die Verwaltungskosten betragen 25 bis 30 Euro. Der Antrag muss Datum, Uhrzeit und Anlass enthalten – wer knallen will, muss planen können.

20 Mal immerhin hat die Ordnungsbehörde im Stadtbereich im vorigen Jahr Anträgen zugestimmt, im aktuellen steht der Zähler bei zehn. Der genehmigte Glitzerregen dürfte deutlich bescheidener sein als der, den die Bürger zünden, ohne zu fragen.


Eva-Maria Träger
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