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ch31.07.2007 Feuerwerk: Den Asthmatikern wird was gehustet

Die Schweizer Bevölkerung lässt sich nicht lumpen, wenn es ums Begehen des Nationalfeiertages geht. Doch viele Menschen leiden, wenn es die Schweiz krachen lässt.

Letztes Jahr hielt sich die Feuerwerkmanie der Schweizer zum 1. August in engen Grenzen, da in den meisten Kantonen wegen Trockenheit ein Feuerwerkverbot erlassen worden war. Heuer wird wieder aber wieder ungebremst eingekauft. Sowohl bei Migros als auch bei Coop geht man von guten Umsätzen aus. «Wegen dem schönen Wetter rechnen wir mit guten Verkäufen», sagt Coop-Sprecher Takashi Sugimoto. Ins gleiche Horn stösst Migros-Sprecherin Eve Keller: «Die Verkäufe laufen gut. Besser als letztes Jahr.» Insgesamt lassen sich Herr und Frau Schweizer den Feuerwerksspass eine achtstellige Summe kosten. «In der Branche gehen wir von einem Gesamtumsatz von 20 Millionen Franken jedes Jahr aus. Alleine in den Tagen vor dem 1. August», sagt Franklin Herz, Geschäftsführer des Feuerwerk-Grossimporteurs Riag-Sombo.

Froh, den Tag zu überstehen

Wenig Freude am Krachen und Blitzen hat Susanne von Dach, Initiantin der Bewegung «Stop Firerworks». «Es zählt nur Spass, Spass, Spass. Die Vernunft und die Regeln, die für den Rest des Jahres gelten, werden am 1. August ausgeschaltet.» Von Dach ist Asthmatikerin und ist jeweils froh, wenn sie die Hustenanfälle zu 1. August und Silvester einigermassen unbeschadet übersteht. «Man weiss, dass die Feinstaubkonzentration in der Luft durch Feuerwerk kurzfristig ansteigt. Dies spüren Lungenkranke intensiv.» Von Dach sitzt zu Feuerwerkstagen jeweils mit Atemschutzmaske zu Hause. Laut dem Bundesamt für Umwelt, Bafu nehmen durch Feuerwerk die Feinstaubmengen um mehrere hundert Tonnen zu. «Dazu kommen jährlich Brand- und Sachschäden in Höhe von rund 3,5 Millionen Franken», so von Dach.

Todesfälle im Umgang mit Feuerwerk

Immer wieder fordert Feuerwerk auch Menschenleben. Der wohl massivste Unfall mit Feuerwerk ereignete sich 1991 auf dem Berner Gurten, als eine junge Frau von einem 30 Kilogramm schweren Rohrkrepierer getroffen und getötet wurde. Ein weiteres Leben forderte Feuerwerk vier Jahre später in Lotzwil, als ein 26-Jähriger beim Basteln eines Sprengkörpers zerfetzt wurde. 2004 bezahlte eine 90-jährige Pensionärin ein misslungenes Feuerwerk im Pflegeheim mit dem Leben. Zum Jahreswechsel hielt ein Mann in Turgi seinen Kopf über eine Raketenbatterie, weil diese nicht sofort zündete - wenig später war er tot.


Maurice Thiriet
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