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de08.01.2017 Feuerwerk bereitet zahmen Keiler Angst: Tier büxt aus und sucht Gesellschaft

»Ich bin von einem Wildunfall ausgegangen, das passiert häufiger«, berichtet der Jagdpächter. »Ich wollte mein Auto vom Eis freikratzen, um mich auf den Weg zu machen, als ich das Schwein nur 40 Meter von mir entfernt entdeckte«, sagt Gregor Wyrwa. Weil er immer noch von einem eventuell verletzten Tier ausging, eilte er ins Haus zurück, um Pistole und Gewehr zu holen.

Doch als er so bewaffnet wieder vor die Haustür trat, kam dem Jäger das Wildschwein friedlich und unverletzt entgegen. Ihm sei schnell klar gewesen, dass es sich um ein zahmes Tier handeln muss. Wyrwa: »Es suchte die Nähe. Wahrscheinlich war es durch die Böllerei so verschreckt, dass es einfach froh war, einem Menschen zu begegnen, der es nicht gleich wieder verscheuchte. Ich habe das Schwein gerufen wie einen Hund und dann kam es zu mir gelaufen.«

»Mir ist ein Wildschwein zugelaufen«

Als er seine Waffen wieder zurück ins Haus bringen wollte, folgte das Schwein dem Jäger: »Es wollte mit rein, war aber so gut erzogen, dass es draußen auf mich gewartet hat.« Gregor Wyrwa konnte das Tier ohne Probleme in seine Garage locken und das Tor schließen.

»Mir ist ein Wildschwein zugelaufen«: Mit diesen Worten habe er bei der Polizei angerufen. Eine passende Vermisstenmeldung lag bei den Beamten allerdings nicht vor. Gregor Wyrwas Sohn Alexander, ebenfalls Jäger, gab dann in den frühen Morgenstunden den entscheidenden Hinweis auf den Wildschwein-Halter: ein Jagdkollege auf Gut Dinkelburg.

Der Gutsverwalter Sebastian Borgwald (30) schlief, als Jagdpächter Wyrwa ihn und seine Frau am Neujahrsmorgen aus dem Bett klingelte. »Wir sind sofort losgefahren, um unseren ›Wurzel‹ wieder nach Hause zu holen«, sagt Borgwald. Froh seinen Besitzer wieder zu sehen, sprang das ausgebüxte Wildschwein sofort in den Kofferraum des Wagens.

Sebastian Borgwald hat sich »Wurzel« vor etwa einem Jahr angenommen, als der etwa zwei Tage alte Frischling bei einer Jagd bei Frohnhausen von Hunden gestellt worden war. »Die Bache und die anderen Frischlinge waren geflüchtet. Er blieb schwach und unterkühlt übrig. Ich konnte nicht ›Nein‹ sagen und habe ihn mit nach Hause genommen«, erinnert sich der 30-Jährige.

Wurzel benimmt sich wie ein Hund

Er ließ den Keiler kastrieren und hält ihn nun in einer Box mit Auslauf. »Er kann gut springen. Bei der Silvesterkracherei muss er über den Zaun gesprungen sein«, vermutet der Gutsverwalter. Im Normalfall würde das Wildschwein sich nur auf dem Gut bewegen und nicht weglaufen.

Als Jäger sei er sich bewusst, dass »Wurzel« auch irgendwann ein Risiko darstellen könne. In einem Jahr werde er sein Gewicht auf etwa 120 Kilogramm verdoppelt haben. »Auswildern kann ich ihn nicht mehr, dazu ist er zu zahm«, sagt der Gutsverwalter. Er sucht ein Gatter für »Wurzel« – etwa in einem Tierpark.

Ein Abschied würde ihm und seiner Frau und auch dem Gutsbesitzer, dem Graf von Westphalen, allerdings schwerfallen. »Er ist mit unseren Hunden ›Fine‹ und ›Milka‹ groß geworden, benimmt sich wie ein Hund und denkt durch seine Stallkollegen er sei ein Pferd«, sagt Sebastian Borgwald. »Wurzel« gehört halt dazu. Gutsverwalter Borgwald hat Schwein gehabt.



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