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de29.03.2017 Rohrbombe am Fleuth-Ufer entdeckt

Geldern. Am Ufer der Issumer Fleuth in Kapellen hat ein Spaziergänger einen selbst gebastelten Sprengkörper entdeckt. Vermutlich war er mit Schwarzpulver aus Silvesterknallern gefüllt. Die Polizei sucht zwei junge Männer als Verdächtige.

Der 65-jährige Spaziergänger aus Kapellen war am Samstag mit seinen Hunden unterwegs. Gerade wanderte er über die Brücke an der Issumer Fleuth, als ihm eine merkwürdige Szene auffiel: zwei junge Männer am Ufer, die auf plötzlich wie aufgescheucht in Richtung des nahegelegenen Sportplatzes davonsprinteten. Das Ganze kam dem Mann merkwürdig vor. Also machte er einen Abstecher zu der Stelle, wo die beiden sich aufgehalten hatten. Und dort fand er den selbst gebastelten Sprengkörper im Gras.

Es handelt sich laut Polizei um ein normales Wasser-Leitungsrohr aus Stahl, 25 Zentimeter lang, eineinhalb Zoll stark. "An beiden Enden waren Verschlusskappen aufgeschraubt, und Kabel schauten heraus. Ein so genannter Klingeldraht, das ist ganz dünner Kupferdraht", beschreibt Polizei-Sprecher Michael Ermers. Gefüllt war die Röhre mit einem Pulver.

Der Zeuge zog die Drähte aus der Konstruktion, nahm alles mit und lieferte es am Montagnachmittag bei der Polizei ab. Um 16.40 Uhr erschien er auf der Wache in Geldern, legte seinen Fund auf die Theke und löste damit erst einmal größere Aufregung aus. "In solchen Fällen geht man davon aus, dass es Sprengstoff ist", erklärt Michael Ermers. "Das heißt, die Polizeiwache wurde evakuiert, und es wurden Sprengstoffexperten angefordert."

Das so genannte Entschärfungsteam war etwa eine Stunde später da. Derweil ließen Ermittler sich von dem Zeugen zum Fundort führen und fanden dort eine Pappschachtel von Silvester-Knallkörpern, bezeichnet als "Mini-Kracher", und rote Papierchen, in die die Teile wohl verpackt waren.

Die naheliegende Vermutung: "Das Pulver, das in den Knallern war, haben die wohl in das Rohr gefüllt und die Kabel reingesteckt", so Sprecher Michael Ermers. So ein simpel gebauter Sprengkörper könne durchaus äußerst gefährlich werden: "Wenn das Rohr dadurch zerreißt, fliegen Metallsplitter."

Die Sprengstoffexperten stellten später fest, dass sich in dem Rohr 170 Gramm Pulver befanden; dieses wird nun noch analysiert. Einen möglichen Zündmechanismus konnten sie mit dem Rohr und dem Draht nicht rekonstruieren. Es fanden sich auch keine weiteren verdächtigen Gegenstände am Fleuth-Ufer. Es ist also unklar, wie genau die Erbauer sich vorgestellt hatten, die Bombe zur Explosion zu bringen. "Eine unmittelbare Gefahr bestand so, wie wir das vorliegen hatten, nicht", so Ermers. Und allzu große handwerkliche Fähigkeiten steckten wohl auch nicht dahinter: "Mein Eindruck ist, dass das so jeder hätte machen können."

Der Finder aus Kapellen habe das Ganze wohl als "Dumme-Jungen-Streich" eingeordnet und sich deshalb auch erst am Montag bei der Polizei gemeldet. "Aber wir nehmen die Sache weitaus ernster", macht Ermers klar. "Wer so was zusammenbastelt, gefährdet sich selbst und andere damit." Es wurde Anzeige gegen Unbekannt gestellt wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz. Die Ermittler suchen daher die jungen Männer, die am Fundort waren. Die Beschreibung der beiden ist allerdings vage: Der Spaziergänger sah sie ja bloß weglaufen. Er schätzt sie auf etwa 20 bis 25 Jahre. Hinweise zur Sache an die Kripo in Kalkar unter Telefon 02824 880.


Sina Zehrfeld

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