Pyrotechnik ist kein Spielzeug

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de30.12.2018 Jungendlicher schwer verbrannt, Mann verliert Finger

Für Deutschlands Mediziner ist es traurige Routine: Rund um Silvester verletzen sich zahlreiche Menschen durch leichtsinnigen Umgang mit teils illegalen Feuerwerkskörpern. Auch in diesem Jahr kommt es zu ersten schweren Unfällen.

Bereits in den Tagen vor Silvester häufen sich schwere Unfälle mit teils illegalen Feuerwerkskörpern und Böllern. Beim Basteln mit Silvesterböllern verlor ein Mann in Bayern drei Finger. Die abgerissenen Finger seien nach dem Unfall nicht mehr auffindbar gewesen, teilte das Bayerische Rote Kreuz mit. Demnach kam es zu der Explosion, als der Mann im Landkreis Würzburg mit den Böllern "bastelte".

In Niedersachsen folgten drei Freunde einem Internet-Film zum Böllerbau und lösten dabei einen folgenschweren Unfall aus. Ein 18-Jähriger erlitt schwere Verbrennungen und liegt noch mit lebensgefährlichen Verletzungen im Krankenhaus, wie ein Polizeisprecher in Verden sagte.

Die drei Freunde hatten am Donnerstagabend versucht, anhand einer YouTube-Anleitung einen Böller zu bauen. Die Bastler nutzten dabei nach Polizeiangaben Utensilien wie ein Küchensieb oder eine Waage. Der selbstgebaute Böller zündete aber nicht wie geplant und 60 Prozent der Haut des 18-Jährigen verbrannten. Ein Gleichaltriger wurde leicht verletzt, der dritte Freund nicht. Die Feuerwehr löschte die Flammen in der Scheune, in der die drei mit den explosiven Substanzen hantiert hatten.

Bleibende Schäden

Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie, Joachim Windolf, nennt Verletzungen durch Böller typisch für Silvester. Manche Patienten trügen trotz mehrwöchiger Behandlung bleibende Schäden davon, sagt er. Es gehe um dauerhafte Bewegungseinschränkungen der Hand und gebrochene sowie ganz oder in Teilen abgesprengte Finger. Auch Narben im Gesicht können an die Missgeschicke erinnern.

Die Druckwelle einer Böller-Explosion nahe der Hand muss nicht zwangsläufig blutende Wunden oder verbrannte Haut hinterlassen. Es könne auch innerlich Gewebe zerstört werden, warnt Windolf. Darauf wiesen etwa Schwellungen hin. Zeitnah zum Experten zu gehen, sei dann wichtig, sagt der Direktor der Klinik für Unfall- und Handchirurgie am Uniklinikum Düsseldorf.

Ärzte behandeln in diesen Tagen dabei nicht nur Hobby-Pyrotechniker nach Unfällen, sondern auch Zufallsopfer. Das sind vor allem Kinder, wie Experten berichten. Ihr Anteil unter den Silvester-Verletzten habe in den vergangenen Jahren bei Augen- und Ohrenverletzungen zugenommen, sagte der leitende Oberarzt der Notaufnahme am Virchow-Klinikum der Berliner Charité, Tobias Lindner. Grund seien etwa Knaller-Würfe, die zu Explosionen nahe dem Gesicht oder dem Ohr führen. Opfer hätten in solchen Fällen keine Chance, sagt der Mediziner.

Immer wieder Tote

Deutsche Augenkliniken meldeten rund um Silvester der beiden Vorjahre jeweils weit mehr als 800 Augenverletzungen durch Pyrotechnik, wie die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft mitteilte. Die ersten Unfallopfer sehen die Notaufnahme-Teams schon vor dem 31. Dezember - sobald Feuerwerk zum Verkauf steht, wie Lindner sagt.

Auch dass Menschen den Rutsch ins Neue Jahr nicht überleben, kommt in Deutschland immer wieder einmal vor - allein in Brandenburg gab es voriges Silvester zwei Tote durch Feuerwerk. Neben selbst gebautem Feuerwerk haben auch nicht frei verkäufliche Produkte wie Kugelbomben, die für professionelle Feuerwerke gedacht sind, hierzulande schon zum Tod oder zu erheblichen Verletzungen bei relativ jungen Männern geführt. Die schweren Verletzungen passieren Experten zufolge fast ausschließlich mit illegalen Böllern, sogenannten Polenböllern, oder selbstgebasteltem Feuerwerk.



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