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ch21.07.2011 Schweizer Volkspartei nutzt 1. August-Feuerwerk in Bern für den Wahlkampf

Die 1.-August- Feier der Stadt Bern wird einmal mehr für politische Zwecke genutzt. Zwei SVP-Politiker kritisieren die «arme Stadt», weil in Bern das Feuerwerk von Sponsoren bezahlt wird. Das ist jedoch seit neun Jahren der Fall und hat auch einen guten Grund.

Todesfall beim Feuerwerk war Grund für die Änderung

Dass die Innenstadtvereinigung und nicht die Stadt das Feuerwerk durchführt, hat einen traurigen Hintergrund: 1991 wurde beim Feuerwerk auf dem Gurten eine junge Frau von einer Rakete getroffen und starb. Zehn Jahre lang verzichtete die Stadt daraufhin aus Pietätsgründen auf ein Feuerwerk. 2002 schlug die Vorgängerorganisation von Berncity dem Gemeinderat vor, die Sache zu übernehmen. Vorerst wurde das Feuerwerk im Schwellenmätteli gezündet, erst seit 2007 findet es wieder auf dem Gurten statt.

Über den Sinn oder Unsinn, am Nationalfeiertag Tausende von Franken in der Luft zu verpulvern, kann man sich streiten. Tatsache ist, dass am 1.August auch in der Stadt Bern wieder ein grosses Feuerwerk gezündet wird. Es kostet rund 100000 Franken und wird wie in den letzten neun Jahren von der Innenstadtvereinigung Berncity organisiert. Finanziert werden die Raketen von sieben Hauptsponsoren sowie Gönnern. Letztere steuern gesamthaft einen Betrag von 30000 Franken an die Kosten bei, wie von Berncity zu erfahren ist.

Nicht alle Steuerzahler freuen sich über die Entlastung

Nun könnten sich ja im Prinzip die Steuerzahlenden einfach freuen, dass Firmen und Private Tausende von Franken locker machen, damit übernächsten Montag der Nachthimmel über dem Gurten in allen Farben erstrahlen kann. Zwei Steuerzahler aber ärgern sich. Einer der beiden ist sogar Geschäftsführer des Bunds der Steuerzahler und deckt ansonsten gerne Fälle von verschwendetem Steuergeld auf. Feuerwerk fällt für ihn offensichtlich nicht in diese Kategorie.

Denn in diesem Fall nervt sich der dauerwahlkämpfende SVP-Nationalrat Thomas Fuchs über das «kleinkarierte Sparen» der Stadt. Es sei «bedauerlich», dass die Gemeinde Bern auch 2011 für das 1.-August-Feuerwerk wieder auf die Unterstützung von Sponsoren angewiesen sei, schreiben er und sein Compagnon Grossrat Erich Hess. Es bleibt nicht bei der Kritik: Mit einem «vierstelligen Betrag» beteiligen sie sich am diesjährigen Feuerwerk, kürzen dafür sogar ihr Wahlkampfbudget «und helfen so mit, das Feuerwerk überhaupt zu ermöglichen». Das klingt dramatisch. So, als sei Bern dank Fuchs/Hess knapp an der Katastrophe «kein 1.-August-Feuerwerk» vorbeigeschrammt.

Hier kann Organisatorin Berncity Klarheit schaffen: «Das Feuerwerk hätte selbstverständlich auch ohne diesen Beitrag stattfinden können», sagt Mediensprecherin Simone Born. Die Hauptsponsoren seien seit Jahren die gleichen und die Zusammenarbeit ausgezeichnet. «Natürlich sind wir dankbar für jeden Gönnerbeitrag. Aber gefährdet war das Feuerwerk nie.»

999 Franken zahlen Fuchs/Hess ans diesjährige Feuerwerk – den gängigen Gönnerbeitrag, wie Berncity bestätigt. Auf den «vierstelligen» Betrag kommen sie dank Mehrwertsteuer. Der SVP-Beitrag zum eidgenössischen Jubeltag ergibt umgerechnet etwa 100 Schweizer Kracher.


Mirjam Messerli

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