Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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unKultur & "Tradition"

Silvestermüll Silvestermüll

"Sie toben wie vom bösen Geist getrieben und nennen's Freude...“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Absinkendes Kulturgut

Der Soziologe Sacha Szabo spricht bei Silvesterfeuerwerk von einem "absinkenden Kulturgut": Das Verhalten Adeliger wurde seit dem 19. Jhdt vermehrt von bürgerlichen Schichten adaptiert. Mittlerweile böllert vor allem die Unterschicht. Der Sinngehalt ist damit wohl weniger in der germanischen Winteraustreibung oder überhaupt in Tradition von Kultur, sondern im Wettereifern um Symbole des sozialen Aufstiegs zu suchen und erschöpft sich eben darin.
Nicht gesellschaftliche Kultur und Tradition sondern die Selbstdarstellung steht im Vordergrund

KEIN Immaterielles Kulturerbe

Silvesterböller und Privatfeuerwerke erfüllen folgende UNESCO-Kriterien für ein immaterielles Kulturerbe NICHT:
Einhaltung geltenden Rechts: Ein Großteil der Böllerei (in Österreich 99%) ist widerrechtlich was die verwendeten Klassen (II-IV) bzw. Einhaltung von Altersgrenzen und zeitliche und räumliche Einschränkungen anbelangt.
keine Kommerzialisierung: Der Vertrieb und die Bewerbung sprechen eine deutliche Sprache: Silvesterfeuerwerk ist ein gutes Geschäft; selbst wenn einmal eine Tradition bestanden hätte, würde sie auf diesem Wege zerstört.
gemeinschaftsstiftend bzw. von Gruppen getragen: Böllern ist ein Einzelsport. Dieser Trend entwickelte sich seit der Einfuhr des Schwarzpulvers in Europa im 16. Jhdt, und wird durch die Kommerzialisierung noch verstärkt.

"Lärmbrauchtum"

Die Feierlichkeiten zu Silvester wurzeln, ebenso wie Fasching und der alemannische "Funken" in antikem Totenkult und Fruchtbarkeitsritualen. Mit der Neuzeit nahmen die einstmals prokreativen Riten zunehmend destruktiven Charakter an. Die Geister, die man einst anrief, um um gute Ernte und Fürsprache bei den Göttern zu bitten, wurden nun verjagt.
Und mit der Einfuhr des Schwarzpulvers in Europa im 16. Jhdt. spielte Lärm dabei eine wesentliche Rolle.
Schon 100 Jahre später, im 17. Jhdt., im Heiligen Römischen Reich wurde diese Praxis erstmals verboten.

Bei Vermarktung, Kauf- und Nutzungsverhalten versucht man sich bis heute in der Lautstärker zu überbieten. Das eigentliche Feuerwerk, das ursprünglich als "Feuerblume" trad. religiösen Praktiken Chinas entstammt, und aus technischer Sicht nicht laut sein muss, um optisch zu wirken, spielt dabei eine weit untergeordnete Rolle.

Abendländische Traditionen

Befürworter und Betreiber von Feuerwerken pochen in der Regel auf ihr "Recht". Damit pochen sie aber auf ein Gut, das nicht aus seinem Zusammenhang zu reißen ist: Das Christentum stellte erstmals die Menschen neben-, statt übereinander, und schuf damit die wesentlichen Voraussetzungen für die Entwicklungen des Humanismus und der Aufklärung, die wiederum das Fundament unserer bürgerlichen Rechte bilden. Dafür unabdingbar sind aber wiederum die Prinzipien der Verantwortung, der Empathie, der Rücksichtnahme, etc. Dass die moderne Ellbogengesellschaft Verantwortung, Empathie und Rücksichtnahme vernachlässigt während sie auf die entsprechenden Rechte pocht, ist nicht hinnehmbar.

Ästhetik

steht bei privatem Feuerwerk sicherlich nicht im Vordergrund, und scheint auch bei dessen Produktion eine Nebenrolle zu spielen.
Geworben wird meiste insbesondere mit dem Knalleffekt, der aus technischer Sicht eine reine Zusatzkomponente ist. Unkoordiniert und völlig beliebig verwendet, erinnert Silvester mittlerweile vielerorts weniger an ein Volksfest (zumal meist nicht mehr erkennbar ist, wann der Jahreswechsel stattfindet), als an Bürgerkrieg.
Professionelle Feuerwerke hingegen sind durchkomponierte, kunstvolle Ereignisse von koordinierter Dauer. In einigen Städten gibt es daher schon heute – oft von örtlichen Unternehmen gesponsert – professionelle Großfeuerwerke statt der privaten Böllerei.

Kriegsspiel

Bezeichnenderweise ist es gerade in Ländern mit ausgeprägtem Nationalstolz üblich, auch an den Staatsfeiertagen (o.ä.) Feuerwerke zu zünden: Schweiz (1.8.), Frankreich (14.7.), USA (4.7.), Ungarn (20.8.).
Die Assoziation von Feuerwerk mit Macht und Krieg scheint da schwer von der Hand zu weisen - und macht das Spektakel als Kulturereignis in einer Welt, die angeblich nach Frieden strebt umso fragwürdiger.

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