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de07.12.2011 Neuruppin entscheidet sich gegen ein Silvesterfeuerwerk

NEURUPPIN - Die Fontanestadt wird in diesem Jahr kein eigenes Feuerwerk am Bollwerk in der Silvesternacht veranstalten. Wenn Böller und Raketen in die Luft gehen, dann ohne Geld aus der Stadtkasse. Das kündigte Dezernent Thomas Fengler gestern an.

Inzwischen sind in Deutschland für Privatleute viel größere Knaller erlaubt als früher. Böller dürfen jetzt bis zu dreimal so viel „Explosivmasse“ enthalten wie früher. Im allgemeinen Silvestergeballere „geht unser Feuerwerk da beinahe unter“, sagte Bürgermeister Jens-Peter Golde. Dass die Stadt 2000 bis 3000 Euro für Böller ausgibt, die jeder Privatmann ganz ähnlich kaufen kann, hält er für Verschwendung.

Tatsächlich ist seit 2010 durch eine EU-Richtlinie in Deutschland Silvesterfeuerwerk erlaubt, das für private Nutzer früher undenkbar erschien. Früher durfte Feuerwerk höchstens 200 Gramm explosiver Stoffe enthalten. Mittlerweile liegt die Obergrenze bei 500 Gramm, in Einzelfällen sogar bei 600 Gramm, bestätigte Ulrike Rockland von der Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) in Berlin. Als eine von 13 Einrichtungen in der Europäischen Union prüft die BAM alle Böller, Knaller und Raketen. Was die BAM nicht zulässt, darf in Deutschland nicht abgefeuert werden.

Gegen die größeren Knaller haben die Prüfer von der Bundesanstalt weniger Bedenken als gegen manche kleinen. Die großen sind stabiler und stehen sicherer auf dem Boden, sagt Ulrike Rockland. Die Gefahr, dass sich jemand verletzt, sei geringer.

Verkauft werden darf Silvesterfeuerwerk erst an den drei letzten Tage des Jahres. Internethändler bieten aber schon jetzt Vorbestellungen an: Privatkunden können dort ganz legal über 16 Kilogramm schwere Batterien kaufen, die aus einem Karton 200 Schuss in 40 Meter Höhe abfeuern. 180 Euro kostet so ein „Verbund“ und enthält bis zu zwei Kilogramm Schwarzpulver. Alles mit deutscher Zulassung, wie der Händler versichert.

Bücher statt Böller

Braucht Neuruppin da noch ein städtisches Feuerwerk? „Das ist nicht nachhaltig“, sagt Fengler. Bis zu 5000 Euro hat die Stadt in der Vergangenheit für zehn Minuten Knallerei ausgegeben. „Es ist sinnvoller, für dieses Geld neue Bücher für die Bibliothek zu kaufen“, sagt Golde. Dass ohne das zentrale Feuerwerk der Stadt in der Silvesternacht niemand mehr ans Bollwerk kommt, glaubt der Rathauschef nicht. Die Veranstaltung habe inzwischen so eine Tradition, dass die Neuruppiner trotzdem kommen und eigenes Feuerwerk mitbringen, sagt der Rathauschef.


Reyk Grunow
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