Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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at13.12.2011 Böller: Experten warnen vor Verletzungen

ZWENTENDORF. Brennende Autos, zerfetzte Hände: Anschaulich haben Experten des Entschärfungsdienstes des Bundeskriminalamt (BK) am Dienstag in einem Pressegespräch vor dem unsachgemäßen und zum Teil verbotenen Gebrauch von Silvester-Feuerwerkskörper gewarnt.

Bei einer anschließenden Vorführung wurden die Gefahren der Pyrotechnik bei missbräuchlicher, sorgloser und widmungswidriger Verwendung demonstriert. Ein Schotterwerk nahe Zwentendorf in Niederösterreich, ein fahrtüchtiger, rubinroter Kleinwagen, der Kofferraum beladen mit Feuerwerkskörpern aus dem benachbarten Ausland - die Experten des Entschärfungsdienstes führten vor, wie gefährlich Feuerwerkskörper sind. "90 Prozent der pyrotechnischen Gegenstände in diesem Auto sind in Österreich illegal", erläuterte Entschärfungsspezialist Helmut Szagmeister. Vulkane, Raketen, Silvesterkracher und Co. im Wert von rund 150 Euro wurden in dem Kofferraum drapiert. Ein Feuerwerkskörper sollte von den Experten aus sicherer Entfernung elektronisch gezündet werden. "Die Entwicklung der Explosion ist nicht vorhersehbar", erläuterten die Experten. Kurzfristig kam Unruhe bei einigen Schaulustigen auf. Aus sicherer Entfernung von gut 150 Metern beobachteten Journalisten, Fotografen und Kameramänner die Szene.

Autoteile 40 Meter weit geschleudert

Der erste Sprengversuch misslang, ein Kabel hatte ein Leck. Zum zweiten Mal wurde der Countdown gezählt. Drei, zwei, eins - Bumm. Die Feuerwerkskörper explodierten, ein Feuerwerk nahm seinen Ausgang im Kofferraum des Wagens. Zehn Minuten später stand das Auto in Vollbrand. Sechs Männer und eine Frau der Freiwilligen Feuerwehr Zwentendorf rückten aus, um den Wagen zu löschen. "200 Liter Wasser waren dafür notwendig", erklärte Feuerwehrkommandant Gerhard Zanitzer. Am Ende lagen unzählige Autoteile im Umkreis von gut 40 Meter verstreut im Schotter. Übrig blieb lediglich ein komplett ausgebranntes Autowrack.

Mit dieser Vorführung wurde simuliert, was passieren kann, wenn man anlässlich Silvester mit einem Kofferraum voller illegaler Pyrotechnik unterwegs ist und es dabei zu einem Unfall kommt. Ein weiteres Experiment des Entschärfungsdienstes zeigte, was passiert, wenn ein Knaller in der Hand explodiert. Zuerst wurde Ohropax an die anwesenden Journalisten verteilt, um eventuellen Hörschäden durch die laute Explosion vorzubeugen. Der Knaller enthielt nämlich einen Blitzknallsatz - dieser wird ab 4. Juli 2017 in Österreich vollständig verboten sein.

Dargestellt wurde das Experiment an einer Schaufensterpuppe mit Plastilinhand. "La bomba" war der Name des illegalen Knallkörpers aus dem tschechischen Raum. Er explodierte in der Hand der Puppe. Diese wurde dabei so zerfetzt, dass auch der beste Chirurg nicht mehr helfen könnte, einzelne Teile flogen mehrere Meter weit weg, eine Hand war schlussendlich nicht mehr erkennbar.

Böller und Bomben

Bei einem weiteren Versuch simulierten die Experten das Explodieren eines Böllers in der Jacke. Ohropax wurde wiederum an die anwesenden Journalisten verteilt. "Es kann leicht passieren, dass ein Feuerwerkskörper unter die Oberbekleidung fällt", erläuterte Thomas Csengel, einer der Experten. Gezündet wurde der Knallkörper in der linken Hemdtasche. Die Puppe erlitt zahlreiche "Verletzungen", das Polyestergewebe wurde zerstört, die Füllung kam zum Vorschein. "Menschliches Gewebe ist viel fragiler und hält weniger aus - diese Explosion hätte zu schweren traumatischen Verletzungen geführt", sagte Csengel.

Auch illegale Feuerwerksbomben wurden an diesem Dienstagnachmittag von den Experten in die Luft gejagt. Zuerst explodierte eine vier Zoll Bombe mit 100 Millimeter Außendurchmesser in einem improvisierten Mörser. "Diese pyrotechnischen Gegenstände zünden rasch, hier bleibt keine Zeit mehr zum weglaufen", sagte Csengel. Die Sprengkraft war enorm, die entstehenden Verbrennungsgase dehnten sich schlagartig aus. "Der Druck, der dabei entsteht, hat eine enorme zerstörerische Wirkung. Diese Bomben erreichen eine Steighöhe von bis zu 300 Metern, die Abschussgeschwindigkeit beträgt 400 bis 500 Stundenkilometer", erläuterte der Experte.

Diese sind in Österreich nur für Profis zugelassen, sie müssen über Fachkenntnisse verfügen und benötigen für die Sprengung eine Behördliche Bewilligung. "Es gibt durchschnittlich alle zwei Jahre einen schweren Unfall mit den Feuerwerksbomben, meist dadurch ausgelöst, weil ein selbst gebastelter Mörser verwendet wird", sagte Csengel. Neben schweren Verletzungen, welche Personen im nahen Umkreis der Explosion erleiden können, werden durch diese Bomben auch Sachbeschädigungen verursacht.

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