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de24.08.2012 Feuerwerk: Privates Knallen kann teuer werden

Dieser „Höhepunkt“ einer Hochzeitsfeier im Bürgerhaus Thalheim wird nach dem Ende der Ferienzeit noch ein Nachspiel haben, das kündigte Leibertingens Hauptamtsleiter Siegfried Müller im SÜDKURIER-Gespräch an. Um was geht es?

In einem Leserbrief an den SÜDKURIER empört sich der Thalheimer Allgemeinmediziner Dr. Horst Hipp, weil in der Nacht vom Samstag, 21. Juli auf Sonntag, 22. Juli, morgens um 2 Uhr ein „hochfliegendes Feuerwerk der Klasse II“ zum Höhepunkt einer Hochzeitsfeier gezündet wurde. Horst Hipp: „Ich bringe das damit zur Anzeige!“

Wie Siegfried Müller erklärte, habe die Gemeinde die für ein solches Feuerwerk notwendige Genehmigung nicht erteilt. Müller: „Wir werden etwas unternehmen!“ Möglicherweise könnte die Folge des nächtlichen Spektakels ein Bußgeldbescheid sein. Darüber würde entschieden, sobald der Bürgermeister aus dem Urlaub zurückgekehrt sein wird. Bußgelder liegen nach Auskunft der Stadt Messkirch im drei- oder vierstelligen Bereich. Wer es ohne Genehmigung richtig krachen lässt – in der Größenordnung des Seenachtsfestes zum Beispiel – der muss, so die Stadt, mit einem Bußgeld bis zu 50 000 Euro rechnen.

Zur gängigen Praxis bei Beantragung dieser Knallerei erklärte der Hauptamtsleiter: „Eine Genehmigung für ein Feuerwerk anlässlich einer Hochzeit wäre nicht erteilt worden.“ Nach einem Vorfall vor einigen Jahren in Kreenheinstetten, bei dem ein genehmigtes Feuerwerk auf deutlichen Protest bei den übrigen Dorfbewohnern gestoßen war, urteile die Gemeinde in diesen Fällen nun sehr restriktiv.

Bürgermeister Wolfgang Sigrist aus Sauldorf hat in seiner bisherigen Amtszeit noch keine entsprechende Genehmigung erteilt. Im SÜDKURIER-Gespräch betont er: „Ich bin im Augenblick deshalb so in der Materie, weil gerade der erste Antrag dieser Art vorliegt und von mir bearbeitet werden muss.“

Die Rechtslage sieht, so beschreibt Sigrist, eigentlich klar aus. Wer glaubt, es sei ausreichend, sich in den Verkaufstagen vor Silvester mit Feuerwerksraketen ausrüsten zu können, um sie dann bei einer Familienfeier im Sommer abschießen zu können, habe überhaupt keine Chance, eine Genehmigung zu bekommen. Sigrist: „Silvesterfeuerwerkskörper heißen Silvesterfeuerwerkskörper, weil sie ausschließlich in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar benutzt werden dürfen.“ Zwischen 1. Januar und 31. Dezember ist deren Verwendung strikt verboten.

Wer ein Feuerwerk ausrichten möchte, braucht dazu einen ausgebildeten Feuerwerker, der die Anlage entwirft und am besten auch gleich den entsprechenden Antrag beim Ordnungsamt der Gemeindeverwaltung stellt. Dieser Fachmann muss auch beim Abbrennen vor Ort sein. Damit aber nicht genug. Es müsse, so Sigrist, auch ein „besonderer Anlass“ vorhanden sein.

Der Mediziner Hipp macht in seinem Leserbrief auf die möglichen Gesundheitsgefahren durch die mit der Zündung eines Feuerwerks verbundenen Feinstaubkonzentrationen aufmerksam. Er schreibt: „Als Arzt, der in 100 Meter Umkreis des Bürgerhauses in zehn Jahren drei Leukämien diagnostizieren musste, warne ich ausdrücklich vor dem freizügigen Umgang mit Sondergenehmigungen für Feuerwerke.“


Hermann-Peter Steinmüller
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