Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de20.10.2012 BRIEFE AN DIE BZ: Feuerwerk am Feldberg - andere Zielgruppen ansprechen

Leserbrief zu "Noch keine Lizenz für den Wumms", 18. Oktober, Seite 26.

Als ob dieser geschundene Berg und seine Umgebung nicht schon genug zu erleiden hätten durch den ausufernden Event-Tourismus, der sich dort in den letzten Jahren – kräftig unterstützt von Seiten der Gemeinde Feldberg – entwickelt hat: Ein immens ausgeweitetes Skigebiet samt Infrastruktur für die notwendigen Schneekanonen, ohne die Wintersport in Form von Skifahren hier kaum möglich ist; Snowboarder und Skifahrer, die rücksichtslos querfeldein jenseits der Pisten durch den Schnee rauschen; Gipfelpartys; eine Ödnis im Sommer, durch die sich die Masten der Liftbahnen ziehen; eine trostlose Häuseransammlung auf der Passhöhe entlang der Bundesstraße; Blechlawinen, die sich im Sommer, vor allem aber im Winter über Passhöhe und zum Parkplatz hochziehen; ein Betonklotz mit Hotel und Souvenirshop samt allem Schwarzwaldkitsch, der dort verkauft wird; ein geplantes Parkhaus, statt einem attraktiveren ÖPNV-System; Mountainbiker, die sich nicht an Verbotsschilder zum Schutz vor Bodenerosion halten und munter auch noch schmalste Wege durch das Naturschutzgebiet befahren. Und nun zu allem Überfluss auch noch gigantisches, völlig überdimensioniertes, absurdes Feuerwerk in der Bergwelt mit "50 000 atemberaubenden Effekten und mehr als zwei Tonnen Sprengstoff"! Wie weit soll das alles noch gehen? Geht es nicht auch etwas kleiner und bescheidener? Geht es nicht auch ohne das Gefühl, im vermeintlichen Konkurrenzkampf mit anderen Urlaubsgebieten und einer sich immer weiter hochschraubenden Event-Tourismus-Spirale immer noch eins oben draufsetzen zu müssen? "Wenn wir da nicht etwas bieten, können wir einpacken" (Feldbergs Bürgermeister Stefan Wirbser): Es ist traurig, wenn eine Gemeinde im Wettbewerb um Urlauber meint, nur noch auf solcherlei Attraktionen setzen zu können statt das Potential für einen sanfteren, ruhigeren, nachhaltigeren Tourismus zu nutzen, das in dieser eigentlich so fantastischen und einmalig schönen Naturlandschaft steckt. Man muss es nur entsprechend vermarkten und andere Zielgruppen ansprechen, zum Beispiel solche, die der laute Event-Zirkus auf dem Feldberg schlichtweg nur abschreckt.


Holger Thomsen
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