Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de24.10.2012 Veranstalter stoppt Vorverkauf für Feldberg-Feuerwerk

Der Vorverkauf lief – das Genehmigungsverfahren nicht. Eine Magdeburger Firma will auf dem Feldberg ein großes Feuerwerk zünden, direkt neben dem Naturschutzgebiet. Deshalb gibt’s Krach auf dem Berg.

Tickets für das Spektakel gab es schon, da lag beim Regierungspräsidium noch nicht mal ein Antrag für die Show vor. Die überrumpelte Behörde riet zum Verkaufsstopp und steht der Feuerwerk-Show skeptisch gegenüber. Gegenwind gibt es vom Naturschutzverband, der droht, gegen das Feuerwerk zu klagen.

Erst im kommenden Februar will die Firma Classic Produktion Concept (CPC) die Show auf der Skiwiese Grafenmatt steigen lassen, doch den Krach hat sie jetzt schon. Denn das, was sie ankündigt mit ihrer "Pyro Games on Snow", eine Menge Sprengstoff in die Luft zu jagen, braucht zwingend eine Genehmigung. Und dieser Antrag lag nicht vor. Das Regierungspräsidium hat erst auf Anfrage der BZ vom Vorhaben der CPC erfahren. Entsprechend verschnupft waren die ersten Reaktionen. Die CPC sollte sich umgehend beim RP melden. "Wir bitten Sie außerdem dringend, die Werbung und den Ticketverkauf bis auf Weiteres einzustellen", hieß es in einer E-Mail.

Die Magdeburger Firma hat den Kartenverkauf wieder gestoppt

Die CPC bietet inzwischen keine Karten mehr an. Sie habe "den zweiten Schritt vor dem ersten getan", heißt es in einer Mitteilung. Sie ging wohl davon aus, dass die Genehmigung kein Problem sei. "In der Regel erfolgt die Anzeige von Feuerwerken circa 4 Wochen vor Veranstaltung durch die durchführenden Pyrotechniker. Auf den zu nutzenden Flächen an der Grafenmatt haben schon öfter Feuerwerke stattgefunden", schreibt die CPC.
Aber die Show scheint größer zu sein als bisherige Events auf dem Feldberg. Zumindest lassen Beispielfilme auf der Internetseite der Firma darauf schließen. "Wenn das Pyrospektakel (...) so abgeht, wie die Animation zeigt, dann wird das heftig im Landschaftsschutzgebiet und bringt erhebliche Beeinträchtigungen für das Naturschutzgebiet", schreibt das RP in einer ersten Einschätzung. Am Sonntagabend dann hat die Firma ihr Genehmigungsgesuch per Mail an die Behörde nachgereicht. Inzwischen, so das RP, laufe die Kommunikation gut. Die Befürchtungen hinsichtlich der Dimension des Feuerwerks scheinen sich nicht zu bestätigen. Die Firma betont, die Auflagen der Ämter bei der Veranstaltung umzusetzen.

Bürgermeister sieht kein Problem

Feldbergs Bürgermeister Stefan Wirbser sieht prinzipiell kein Problem bei dem Feuerwerk auf der Skiwiese. Sie sei eine "der touristisch am meisten genutzten Flächen im ganzen Land. Feldberg ist nicht nur Naturschutzgebiet. Es gibt auch Bereiche, in denen der Tourismus dominiert. Wenn wir da nicht was bieten, können wir einpacken. Und einmal im Jahr kann man so eine Veranstaltung auch in Kauf nehmen", sagt Wirbser.

Der Landesnaturschutzverband sieht das anders. Und droht mit Gegenwind. "Herr Wirbser wird samt der Magdeburger Feuerwerkskünstler tatsächlich einpacken können. Wir werden notfalls klagen, weil ein solches Großfeuerwerk das angrenzende Naturschutzgebiet mit Sicherheit drastisch schädigen wird", sagt Reiner Ehret, der Vorsitzende des LNV.


Sebastian Wolfrum
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