Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de12.11.2012 Feuerwerk sorgt für gehörig Krach

Stemmen / Lauenbrück - Für die einen ist es Romantik pur, für Johnny Krüger sind sie zeitweise einfach nur nervtötend: Feuerwerke. Kaum drei Monate, sagt er, würden verstreichen, ohne dass nicht der Lärm von Böllerschüssen auf sein Grundstück in Stemmen dringt.

Grund: Die Pyrotechniker der Firma Bothmer nutzen den in der Nähe liegenden Flugplatz regelmäßig für Produkttests. „Es ist teilweise unerträglich“, sagt der 65-Jährige. Nun hat Krüger die Initiative ergriffen. Um den Protest voranzutreiben, hat er sich eien Reihe von Mitstreitern ins Boot geholt – und die drohen bei einer erneuten Ruhestörung mit einer Sammelklage.

Drinnen klirren die Fensterscheiben, draußen dominiert das Dauerfeuer. Unentwegt, bis spät in den Abend hinein. Was nach einem Kriegsschauplatz klingt, soll sich laut Krüger genauso zugetragen haben. Nicht in einem Krisengebiet, sondern am Dorfrand von Stemmen. Hier, in der Abgeschiedenheit, hat sich der Sporttherapeut mit seiner Frau vor zwölf Jahren niedergelassen – zunächst ohne lärmende Böllerschüsse von nebenan. „Doch seit einiger Zeit fühle ich mich in meiner Ruhe regelmäßig gestört“, klagt er.

Damit ist Krüger nicht allein. Mit 13 Mitbürgern aus Stemmen und Lauenbrück hat er sich kürzlich zu einer Art Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Ihr Appell: Die Pyrotechniker mögen ihre Produkttestveranstaltungen auf dem Flugplatzgelände, die – wie zuletzt Ende September der Fall – über mehrere Tage andauern, künftig nicht im bisherigen Umfang abhalten. Andernfalls wollen die genervten Anwohner eine Sammelklage einreichen. Krüger: „Ich habe mich mal bei meinen Anwälten schlau gemacht. Demnach ist die gegenwärtige Sachlage nicht rechtens, auch wenn die Gemeinde das bisher zugelassen hat.“

Fakt ist: Weder die Gemeinde Lauenbrück noch die Samtgemeinde Fintel tolerieren etwas, was nicht rechtens ist. Das erklärt Samtgemeindebürgermeister Michael Niestädt auf Anfrage. „Die Produkttests sind nach Spezialnormen grundsätzlich zulässig.“ Gleichwohl räumt der Verwaltungschef ein, dass die Beschwerden in letzter Zeit stark zugenommen haben. „Das haben wir zum Anlass genommen, die gesamte Situation mit aller Ernsthaftigkeit zu überprüfen und bereits verschiedene Lösungsmöglichkeiten aufgegriffen.“

Am besten, sagt Krüger, sei es, wenn die Pyrotechniker ihre Tests ganz woanders veranstalten würden. „Für diesen Krach, der sich ja alle zwei bis drei Monate wiederholt, bin ich nicht aufs Land gezogen“, sagt der Stemmener. Was ihn und seine Mitstreiter besonders sauer aufstößt: Statt auf dem ehemaligen Kasernengelände in Westervesede, wo die Firma ihren Zweitsitz hat, Tests durchzuführen, fällt die Wahl auf Lauenbrücker Siedlungsraum. Beide Gelände befinden sich im Besitz der Familie von Bothmer. „Man hätte also wirklich eine Alternative“, so Johnny Krüger.

Dem widerspricht der Firmenchef: „Ich selbst wäre sehr froh, wenn wir die Tests, zu denen wir im übrigen aus staatlicher Sicht verpflichtet sind, nach Westervesede verlegen könnten“, sagt Florian von Bothmer. „Nur leider spielt hier unter anderem die Umweltbehörde nicht mit, da sich in unmittelbarer Nähe ein Gebiet für Zugvögel befindet.“ Die Frage, ob eher Menschen oder Tiere belästigt werden, möchte er nicht kommentieren. „Egal, wo ich das mache, es wird immer jemanden in der Nähe geben, den es stört.“

„Eben nicht!“, meint Krüger. „Warum klopft man nicht mal bei der Bundeswehr an? So etwas gehört auf einen Truppenübungsplatz und nicht dorthin, wo es den Leuten den letzten Nerv raubt!“ Für Krüger ist die Toleranzgrenze überschritten – erst recht, nachdem der Stemmener sich kürzlich selbst ein Bild über das Geschehen vor Ort machen wollte. Er erinnert sich: „Als ich und meine Frau eines Abends das Gelände betreten haben, um mit den Pyroleuten das Gespräch zu suchen, wurden wir von einem Mitarbeiter unwirsch zurückgewiesen, ja, sogar handgreiflich ist man gegen mich geworden.“

Ein derartiges Vorgehen sei „natürlich nicht hinnehmbar“, betont Florian von Bothmer. „Ich bin jederzeit bereit, mit jedem persönlich zu sprechen, der um Aufklärung bei uns anfragt.“ Den Vorwurf einzelner Bürger, die Knallerei würde an einigen Tagen sogar bis weit nach 23 Uhr anhalten, will er so nicht auf sich sitzen lassen: „Die Tests belaufen sich innerhalb der gesetzlichen Regelungen.“

Genervt sind inzwischen beide Seiten – sowohl der Pyrotechniker als auch eine Vielzahl der Anwohner. Von einem Infoabend, zu dem von Bothmer Ende November die Öffentlichkeit einladen möchte, nimmt der Samtgemeindebürgermeister vorerst Abstand. „Ich habe Herrn Graf von Bothmer gegenüber erklärt, dass ich diesen Termin für verfrüht halte, solange die Überprüfung der Gesamtsituation noch nicht abgeschlossen ist“, so Niestädt. „Da alle Beteiligten, die zur Überprüfung dieser Situation etwas beitragen können, ihre Hausaufgaben noch nicht gemacht haben, habe ich bereits weitere Schritte veranlasst.“


Lars Warnecke
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