Pyrotechnik ist kein Spielzeug

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de30.07.2013 Junger Mann hatte Pulverfass im Keller

Enorme Sprengkraft besitzen die 37 Packungen "la bomba", die ein Mann aus Friedberg gehortet hat. Eine Telefonzelle würde der Pyrotechnik nicht standhalten.

Wie gefährlich es ist, auf einem Pulverfass Sprengstoff zu leben, ist einem jungen Mann aus Friedberg wohl erst vor Gericht bewusst geworden. Amtsrichter Dieter Gockel betonte, dass mit einer solchen Menge an Sprengstoff nicht mehr zu spaßen sei, und verurteilte ihn zu 64 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Außerdem muss er drei bis fünf Gespräche mit der Jugendhilfe Brücke aus Augsburg führen, um sich mit seiner Tat auseinanderzusetzen.

Im Keller des ausgelernten Elektronikers vermutete die Polizei pyrotechnische Gegenstände, darunter 37 Packungen „la bomba“ mit je 20 explosiven Geschossen, die enorme Sprengkraft besitzen, und eine Kugelbombe mit einem Durchmesser von 150 Millimetern, die nur von Ausgebildeten gehandhabt werden darf. Warum der Friedberger diese Menge an Sprengstoff hatte, war den Ermittlern unklar. Sicher war aber, dass er über keine Zulassung für den Besitz verfügte. Somit hatte er mehrere Paragrafen des Sprengstoffgesetzes verletzt.

Mehrere Telefonzellen gesprengt

Auf die Spur des Mannes war die Polizei im April 2012 gekommen, als Unbekannte mehrere Telefonzellen in Friedberg gesprengt hatten. Zeugen lenkten den Verdacht auf den Angeklagten. Mit Hilfe von Kommunikationsplattformen wie Facebook und ICQ verfolgte man seine Aktivitäten. Zwar fanden die Polizisten bei der Hausdurchsuchung im Mai 2012 keine Gegenstände, die für die Sprengungen der Telefonzellen in Frage kamen. Trotzdem wurde das iPhone des Elektronikers und der Laptop des Bruders, auf den der Angeklagte uneingeschränkten Zugriff hatte, sichergestellt. Die Auswertung ergab eine Fotostrecke mit Bildern von den besagten Sprengkörpern. Die Kontrolle der GPS-Daten deutete daraufhin, dass sie im Umkreis des Gebäudes der Familie aufgenommen wurden. Der Verdacht der Polizei war also bestätigt.

Günther Forster von der Kripo weiß um die Explosionsgefahr dieser Gegenstände: Ein Kracher „la bomba“ der Klasse zwei reiche für die Sprengung einer Telefonzelle aus. Eine Kugelbombe der Klasse vier sei weniger gefährlich, aber der Besitzer benötige eine Zulassung.

Wichtig war dem Kriminalpolizisten, den fotografierten Sprengstoff zu finden. Da der Angeklagte im Verlauf der Verhandlung nichts zu den Vorwürfen sagen wollte, rechneten alle Anwesenden mit einem neuen Verhandlungstermin im September, der mehr Licht ins Dunkel bringen sollte.

Erst als der Vater des Elektronikers einwarf, dass das Material komplett inzwischen verbrannt worden sei und er doch gestehen solle, brach der Sohn das Schweigen. Er gab zu, im Besitz der Pyrotechnik gewesen zu sein. Das komplette Sortiment sei aber bei seiner Geburtstagsfeier und an Silvester gezündet worden. Letztendlich garantiere er, keine Sprengstoffe mehr zu erwerben.

Auch Daniela Reindl von der Jugendgerichtshilfe war der Hintergrund des Besitzes ein Rätsel. Sie forderte darum, dass der junge Mann in Gesprächen mit der Jugendhilfe forderte.


Franziska Niebert
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