Pyrotechnik ist kein Spielzeug

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de31.07.2013 Sprengmeister wird angeklagt

Bielefeld (WB). Die Staatsanwaltschaft zieht einen Schlussstrich unter die Bielefelder Sprengstoffexplosionen des vergangenen Jahres. In Kürze soll ebenfalls Anklage gegen einen weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten Sprengmeister (74) erhoben werden.

Sein Lager flog am 12. Juni 2012 aus bislang unbekannter Ursache am Okerweg im Brackweder Ortsteil Holtkamp in die Luft. Der professionell arbeitende Mann soll Bomben, Waffenmunition und NS-Symbole besessen haben.

»Die Ermittlungen stehen kurz vor dem Abschluss«, bestätigte Staatsanwalt Christoph Mackel, Sprecher der hiesigen Anklagebehörde, auf Anfrage. Weitere Angaben zu den Vorwürfen gegen den Profi-Pyrotechniker und Sprengmeister mit mehr als 30 Jahren Berufserfahrung wollte Mackel mit Blick auf das noch schwebende Verfahren zunächst nicht machen.

WESTFALEN-BLATT-Informationen zufolge soll die erwartete Anklage gegen den 74-Jährigen eine wesentlich größere Dimension haben als der von der Justiz jetzt abgeschlossene Fall des Hobby-Pyrotechnikers (44) aus Schildesche. Dessen Privathaus an der Engerschen Straße flog neun Tage vor der Explosion in Brackwede in die Luft und richtete verheerenden Schaden an.

Der seinerzeit lebensgefährlich verletzte 44-Jährige, der mit dem 74-Jährigen in Sachen Sprengstoff und Pyrotechnik zusammen gearbeitet hatte, wurde vergangene Woche vom Amtsgericht unter anderem wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz zu einer Bewährungsstrafe von zwölf Monaten verurteilt. Die erwartete Anklage im Fall der Explosion in Brackwede soll eine größere Tragweite haben. WESTFALEN-BLATT-Informationen zufolge soll der 74-Jährige nicht nur gegen das Sprengstoffgesetz, sondern auch gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen haben. »Das ist ein Verbrechen«, heißt es von einem Ermittler. Experten des Landeskriminalamtes sollen nach der Explosion am 12. Juni 2012 auf dem Gelände des Sprengmeisters unter anderem eine Brandbombe (der Zünder dafür lag im Tresor), eine Stielhandgranate aus dem Zweiten Weltkrieg, Mörsergranaten, Munition für Schnellfeuerwaffen und Raketenabschussrampen sichergestellt haben, heißt es von gut informierten Kennern des Falls. Beim 74-Jährigen fand sich außerdem eine Figur des sogenannten Reichsadlers mit Hakenkreuz in den Krallen. Das Symbol der NS-Zeit könnte einen Verstoß gegen das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen darstellen. Um den Sprengmeister dafür zu belangen, müsste ihm nachgewiesen werden, dass er den Adler mit Hakenkreuz in einem öffentlich zugänglichen Bereich platziert hatte.

Beim Prozess gegen den Hobby-Pyrotechniker aus Schildesche belastete der 44-Jährige vor Gericht den älteren Sprengmeister schwer. Der 74-Jährige soll Container voll mit alter Pyro- und Sprengstofftechnik besessen haben, die eigentlich zum Vernichten bestimmt waren. Der Profi-Sprengmeister habe »unheimlich viele Sachen gehabt, auch Militärsachen«, lautete die Aussage.

Vorsitzende Richterin Astrid Salewski hörte aufmerksam zu. Vor ihrem Schöffengericht, das vergangene Woche den 44-Jährigen verurteilte, soll sich auch der 74-Jährige verantworten müssen.


Jens Heinze
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