Pyrotechnik ist kein Spielzeug

Stille Nacht

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de11.09.2013 Zündelnder Gemeinderat tritt Rückzug an

Ein spontanes Feuerwerk und seine ungeahnten Folgen: Nach 19 Jahren scheidet Günter Barz auf eigenen Wunsch aus dem Notzinger Gemeinderat aus, weil sein Vertrauensverhältnis zu Bürgermeister Sven Haumacher „unwiederbringlich zerstört“ ist.

Notzingen. Bürgermeister Sven Haumacher redete nicht lange um den heißen Brei herum und erklärte: „Ich habe Herrn Barz gefragt, ob ich den Grund für sein Ausscheiden aus dem Gemeinderat öffentlich nennen darf, und er hat dies bejaht.“

So erfuhren die Zuhörer, dass Günter Barz ohne Anmeldung ein Feuerwerk abgebrannt hat. „Ihm wurde daher von der Verwaltung eine Verwarnung mit Verwarnungsgeld angeboten und eine Anhörung übersandt. Die Handlung der Verwaltung weckte Unzufriedenheit, deshalb der Rücktritt“, so der Wortlaut der Sitzungsvorlage.

Günter Barz hatte mit einem Schreiben, datiert auf 22. Juli, sowohl Sven Haumacher als auch die Mitglieder des Notzinger Gemeinderat davon in Kenntnis gesetzt, weshalb er seinen Rücktritt erklärt. Gut eine Woche zuvor hatte er spontan ein noch vorhandenes Silvester-Feuerwerk im Notzinger Industriegebiet abgebrannt. Irgendwann erhielt er einen Anruf von Sven Haumacher, den er als vertraulich betrachtete. Dabei bestätigte er sein Tun.

Eine Sonderbehandlung habe er weder erwartet noch gefordert, und formal-juristisch sei der Bürgermeister völlig im Recht, teilte Günter Barz auf Nachfrage mit. „Seither war es in unserer Gemeinde guter Brauch, mit den Leuten zu reden, bevor die Gesetzeskeule geschwungen wurde. Und wenn alle gleich sind, darf der Bürgermeister Gemeinderäte nicht schlechter behandeln“, so Günter Barz. Er fühlte sich jedoch schlechter behandelt.

„Ich habe das Feuerwerk am 13. Juli gegen 22.30 Uhr wahrgenommen und entschieden: Sollte ich rausbekommen, wer es ist, wird es eine Anzeige geben“, erklärte Sven Haumacher auf Nachfrage des Teckboten. Ursprünglich habe er Günter Barz nur angerufen, um ihn als Zeugen zu befragen, ob er das Feuerwerk wahrgenommen habe. „Weil den Bürgern Selbstjustiz verboten ist, ist der Staat verpflichtet, Rechtsverstöße und Ordnungswidrigkeiten zu ahnden. Das ist mein Gerechtigkeitsempfinden“, so Sven Haumacher, der nicht mit zweierlei Maß messen will. Regelmäßig werde im Blättle vermeldet, dass Feuerwerke anzumelden sind. „Private Feuerwerke sind verboten, bei Vereinen ist es eine Einzelfallentscheidung“, sagte er weiter und zitierte aus der Verordnung zum Sprengstoffgesetz, wonach das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern verboten ist. „Es bestand zu dem Zeitpunkt eine abstrakte Brandgefahr, weil es davor ziemlich trocken war“, begründete er sein Vorgehen weiter.


I.H.
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